
Rund ums Zwischenzeugnis gastierte die Neue Werkbühne München am RWG, um für die Schüler/-innen der Oberstufe Heinrich von Kleists Werk „Der zerbrochne Krug“ aufzuführen. Das Stück, das als einaktiges Lustspiel bzw. dramatische Justizkomödie bezeichnet werden könnte, stellt dabei richterliche Korruption bzw. Willkür in einem fiktiven niederländischen Dorf in den Mittelpunkt. Dass das für den Titel verantwortliche, zu Bruch gegangene Erbstück – der Krug – der Familie lediglich symbolische Bedeutung besitzt, wird hierbei dem Publikum schnell klar: Dorfrichter Adam verkörpert in seiner Rolle eine fragwürdige Figur, welche die eigene Autorität für Erpressung, Intrigen und Machtmissbrauch benutzt – um am Ende des sich u.a. in Rückblicken entwickelnden Handlungsgeschehens selbst an den eigenen Verstrickungen zu scheitern.
Kleists Drama ist für alle Abiturient(inn)en der Jahrgänge 2026 und 2027 sog. ländergemeinsame Lektüre für das Deutschabitur, sodass sich zur unterstützenden Lektüre während der Kursphase (Q12) bzw. zur Wiederholung bereits behandelter Lektüreinhalte (Q13) eine Verknüpfung mit dem Theaterbesuch gut anbot.
[Link: https://www.isb.bayern.de/schularten/gymnasium/leistungserhebungen/abiturpruefung/deutsch/]
Die Schauspieler/-innen aus Bergkirchen begeisterten dabei nicht nur durch eine kurzweilige Version der Kleist’schen Vorlage; durch kleine, aber durchaus bedeutsame Adaptionen des Stückes gelang es dem Ensemble sehr gut, die werkimmanente Motivik auf eine für die Jugendlichen nachvollziehbare, über weite Strecken modernere Ebene zu transportieren. Dass dabei der traditionelle Männer-Klüngel zwischen Dorfrichter Adam bzw. Gerichtsrat Walter aufgebrochen wird und in Frau Gerichtsrätin (Walter) einen wichtigen Gegenpol erhält, der insbesondere auch für die Gegenseite der weiblichen Protagonistin Eve einzustehen vermag, erscheint angesichts der Gegebenheiten der heutigen Zeit eine notwendige Konsequenz! Ebenso auffällig wie bewusst als Mittel der Inszenierung eingesetzt waren die beiden Liebenden, Eve und Ruprecht, im ‚Look der heutigen Zeit‘ gekleidet – mit Minikleid, Vans bzw. Basecap… dabei versteht es sich fast von selbst, dass die moderne Jugend sich teils auch in der Sprache zeigen musste, indem sowohl aus Eve als auch Rupprecht immer wieder „krasse“ Ausdrücke mit „mega“ Wirkung bei ihren Aussagen vor Gericht hervorsprudeln. Auch auf dieser Ebene wird somit einer klassisch-traditionellen Kleist-Aufführung Einhalt geboten. Und so kommt es, wie es (konsequenterweise!) kommen muss: Eve erzählt vor dem Publikum von den Übergriffen – in Form der versuchten Vergewaltigung – durch den Dorfrichter Adam, erhält jedoch Beistand von Frau Gerichtsrätin Walter, sodass an dieser Stelle auch auf die #metoo-Debatte eingegangen werden kann. Somit wird am Ende der Inszenierung klar, dass hier der Dorfrichter Adam nicht (mehr) der Justiz entkommen kann, seinen Worten immer weniger Gehör geschenkt wird, da insbesondere das Schicksal des Mädchens bzw. der jungen Frau mehr in den Blick genommen werden soll. Nicht zuletzt auch deshalb erweist sich die Darbietung als sehr lehrreiche Adaption des Stückes – in vielerlei Hinsicht, was schließlich auch an dem anhaltenden Applaus für die Schauspieler(innen) vonseiten des Publikums zu erkennen war.
Äußerst gewinnbringend für alle Anwesenden gestaltete sich im Anschluss an die Aufführung auch das Theatergespräch mit allem Akteuren, die in einem lockeren Austausch allen Fragen von Schülerseite Rede und Antwort standen. Ganz herzlichen Dank an das Ensemble auch hierfür!
Unsere Schüler/-innen konnten dabei durch ihre gleichermaßen interessierten wie auch sehr kenntnisreichen Nachfragen unter Beweis stellen, dass sie im Laufe der Oberstufe in ihren Kursen schon einiges zum Thema Theater gelernt haben – das macht doch Lust auf mehr im Laufe der nächsten eineinhalb Jahr bis zum Abitur! Gerne ist bis dahin wieder einmal die eine oder andere kreative Aktion rund um Lektüre, Literatur & Co. geplant.
S. Track
Rund ums Zwischenzeugnis gastierte die Neue Werkbühne München am RWG, um für die Schüler/-innen der Oberstufe Heinrich von Kleists Werk „Der zerbrochne Krug“ aufzuführen. Das Stück, das als einaktiges Lustspiel bzw. dramatische Justizkomödie bezeichnet werden könnte, stellt dabei richterliche Korruption bzw. Willkür in einem fiktiven niederländischen Dorf in den Mittelpunkt. Dass das für den Titel verantwortliche, zu Bruch gegangene Erbstück – der Krug – der Familie lediglich symbolische Bedeutung besitzt, wird hierbei dem Publikum schnell klar: Dorfrichter Adam verkörpert in seiner Rolle eine fragwürdige Figur, welche die eigene Autorität für Erpressung, Intrigen und Machtmissbrauch benutzt – um am Ende des sich u.a. in Rückblicken entwickelnden Handlungsgeschehens selbst an den eigenen Verstrickungen zu scheitern.
Kleists Drama ist für alle Abiturient(inn)en der Jahrgänge 2026 und 2027 sog. ländergemeinsame Lektüre für das Deutschabitur, sodass sich zur unterstützenden Lektüre während der Kursphase (Q12) bzw. zur Wiederholung bereits behandelter Lektüreinhalte (Q13) eine Verknüpfung mit dem Theaterbesuch gut anbot.
[Link: https://www.isb.bayern.de/schularten/gymnasium/leistungserhebungen/abiturpruefung/deutsch/]
Die Schauspieler/-innen aus Bergkirchen begeisterten dabei nicht nur durch eine kurzweilige Version der Kleist’schen Vorlage; durch kleine, aber durchaus bedeutsame Adaptionen des Stückes gelang es dem Ensemble sehr gut, die werkimmanente Motivik auf eine für die Jugendlichen nachvollziehbare, über weite Strecken modernere Ebene zu transportieren. Dass dabei der traditionelle Männer-Klüngel zwischen Dorfrichter Adam bzw. Gerichtsrat Walter aufgebrochen wird und in Frau Gerichtsrätin (Walter) einen wichtigen Gegenpol erhält, der insbesondere auch für die Gegenseite der weiblichen Protagonistin Eve einzustehen vermag, erscheint angesichts der Gegebenheiten der heutigen Zeit eine notwendige Konsequenz! Ebenso auffällig wie bewusst als Mittel der Inszenierung eingesetzt waren die beiden Liebenden, Eve und Ruprecht, im ‚Look der heutigen Zeit‘ gekleidet – mit Minikleid, Vans bzw. Basecap… dabei versteht es sich fast von selbst, dass die moderne Jugend sich teils auch in der Sprache zeigen musste, indem sowohl aus Eve als auch Rupprecht immer wieder „krasse“ Ausdrücke mit „mega“ Wirkung bei ihren Aussagen vor Gericht hervorsprudeln. Auch auf dieser Ebene wird somit einer klassisch-traditionellen Kleist-Aufführung Einhalt geboten. Und so kommt es, wie es (konsequenterweise!) kommen muss: Eve erzählt vor dem Publikum von den Übergriffen – in Form der versuchten Vergewaltigung – durch den Dorfrichter Adam, erhält jedoch Beistand von Frau Gerichtsrätin Walter, sodass an dieser Stelle auch auf die #metoo-Debatte eingegangen werden kann. Somit wird am Ende der Inszenierung klar, dass hier der Dorfrichter Adam nicht (mehr) der Justiz entkommen kann, seinen Worten immer weniger Gehör geschenkt wird, da insbesondere das Schicksal des Mädchens bzw. der jungen Frau mehr in den Blick genommen werden soll. Nicht zuletzt auch deshalb erweist sich die Darbietung als sehr lehrreiche Adaption des Stückes – in vielerlei Hinsicht, was schließlich auch an dem anhaltenden Applaus für die Schauspieler(innen) vonseiten des Publikums zu erkennen war.
Äußerst gewinnbringend für alle Anwesenden gestaltete sich im Anschluss an die Aufführung auch das Theatergespräch mit allem Akteuren, die in einem lockeren Austausch allen Fragen von Schülerseite Rede und Antwort standen. Ganz herzlichen Dank an das Ensemble auch hierfür!
Unsere Schüler/-innen konnten dabei durch ihre gleichermaßen interessierten wie auch sehr kenntnisreichen Nachfragen unter Beweis stellen, dass sie im Laufe der Oberstufe in ihren Kursen schon einiges zum Thema Theater gelernt haben – das macht doch Lust auf mehr im Laufe der nächsten eineinhalb Jahr bis zum Abitur! Gerne ist bis dahin wieder einmal die eine oder andere kreative Aktion rund um Lektüre, Literatur & Co. geplant.
S. Track