Schulleben

Heitere Pleite und findige Finanzierungsideen

Das Bühnenbild verheißt auf den ersten Blick, dass das Stück in einem reichen Ambiente spielt. Alte Ölgemälde und Stuckmöbel weisen darauf hin. Doch betrachtet man die Gegenstände genauer, erkennt man, dass der Kronleuchter nur flackert und die edle goldene Putte nur über einen Arm verfügt. In diesem Schloss, das eindeutig schon bessere Tage gesehen hat, lebt die lebenslustige Adelige mittleren Alters, Frau Cäcilie von Selmbach-Düssel. Sie pflegt einen sehr teuren Lebensstil, der sie so in den Ruin getrieben hat, dass eine Zwangsversteigerung ihres Anwesens bevorsteht. Nur durch die Künste ihres Butlers, eines Schotten, dessen trockener Humor nur zu gut zu seiner Rolle passt, war es bislang möglich, diese abzuwenden und ihren Lebensstil zu halten. Als eines Tages die Vermögensverwalterin auftaucht, um den Besitz zu schätzen, gibt Cäcilie statt ihrer Tochter ihren Liebhaber als ihr einziges Kind und Erben aus. Doch kurz darauf kommt ihre Tochter, eine Archäologin, mit einer eigenhändig ausgegrabenen Mumie und ihrem frisch gebackenen Verlobten ins Schloss. Damit ihre Lüge nicht auffliegt, erklärt Cäcilie ihre Tochter zur Schwiegertochter und Gattin ihres Liebhabers, was nicht nur die beiden Betroffenen überrascht.
Constanze ihrerseits versucht die Pleite ihrer Mutter abzuwenden, indem sie sie mit Hilfe eines Psychiaters für unzurechnungsfähig erklären lassen will. Doch nicht dieser stattet dem Schloss einen Besuch ab, sondern ein völlig durchgedrehter Professor des Sanatoriums „Seelenfrieden“, der eine von der Schlafkrankheit betroffene Erzfeindin der Cäcilie, eine Frau von Redewitz, zurecht im Schloss vermutet.
Diese teilt sich häufiger mal als Ruhestatt den Sarkophag mit dem Pharao Ne-fa-kare, der ständig von allen Anwesenden durch das Haus getragen wird. Als die allgemeine Verwirrung ihren Höhepunkt erreicht hat, erscheint mit Frau Althoff eine bedeutende Kunstsammlerin, die dem jungen Paar eine berufliche Perspektive bietet.
Trotzdem wechselt das Schloss tatsächlich den Besitzer, doch zum Erstaunen aller ist der Butler der neue Eigentümer und wird von Cäcilie von Selmbach-Düssel zu ihrem Ehemann erkoren. Nicht nur die mit Wortwitz und einem hohen Spieltempo ausgestattete Handlung forderte dem Publikum, das sich sehr amüsierte und dies mit wiederholtem Szenenapplaus kund tat, viel ab, auch die Besetzung des Stückes war sehr anspruchsvoll. Kurz vor der Aufführung war der „Butler“ krankheitsbedingt ausgefallen und so wurde die Rolle spontan von anderen Mitwirkenden mit übernommen. Aber das Publikum dachte prima mit und verinnerlichte, dass immer diejenige Person, die gerade die Dienstkleidung des Butlers trug, diesen verkörperte. Chapeau an alle Mitwirkende für ihre Spielfreude und ihre Spontanität. Geht nicht – gibt´s nicht!

Klaus Mitschke: Adel verpachtet (Komödie)
gespielt von Schülerinnen der Klasse 10b