Lügen haben kurze Beine

Lügen hin und her - zum Schluss finden sich die Richtigen.

Lügen hin und her – zum Schluss finden sich die
Richtigen.

„Lügen haben kurze Beine,“ sagt man, und: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“ Das ist aber nicht die Philosophie von Lelio, der Hauptfigur in Carlo Goldonis Komödie „Der Lügner“: Man muss die Wahrheit manchmal etwas „stimmig“ machen, meint er. Was daraus auf der Bühne entsteht, zeigte die Theatergruppe unserer Q12 in der Stadthalle.

Auf alle Fälle eine große Konfusion. Dabei ist Lelio kein schlechter Mensch, denn er lügt mit so viel Witz und Schlagfertigkeit, dass man ihm kaum böse sein kann. Eigentlich will er nur die beiden Schwestern Beatrice und Rosaura herumkriegen und dazu ist ihm jedes Mittel recht, um sich in ein gutes Licht zu rücken. Doch bald jongliert er mit so vielen Lügenbällen, dass das alles nicht gut gehen kann. So bekommen sich am Ende doch die Richtigen und Lelio, der „Meister der geistreichen Erfindungen“, steht blamiert da.

Sophia Koßmann (links) als Lügner und Darlene Caudle als angebetete Rosaura (rechts).

Sophia Koßmann (links) als Lügner und Darlene Caudle
als angebetete Rosaura (rechts).

Dass der Zuschauer sich darüber köstlich amüsieren konnte, lag bei der Aufführung an der unglaublichen Spielfreude aller Hauptdarsteller. Sophia Koßmann war von ihrem ersten Auftritt an hinreißend komisch, denn sie schaffte es, das groteske Gebaren Lelios auch mimisch und körpersprachlich so hinzubekommen, dass alle ihre Freude hatten. Darlene Caudle und Sophia Bindig zeigten, wie schnell sich ein Schwesternpaar verkrachen kann, wenn es um den gleichen Mann geht. Damit es der burlesken Komik nicht zu viel wird, verkörperte Luise Neubauer als Colombina einen wohltuend ruhigen Gegenpol. Dafür stand Sophie Brix als Pantalone seinem Herrn Lelio an Witz nichts nach und steckte tapfer Schläge und Niederlagen weg. Natürlich gab es auch „special effects“: Das Publikum bog sich vor Lachen, als Franz Lang zeigte, wie ein Oberpfälzer Tuchhändler klingt oder ein sächselnder Briefbote. Sogar ein echt italienischer Sänger war geboten: Die Truppe hatte ihn zufällig im Hofgarten aufgelesen und gleich mit in ihr Stück eingebaut als melancholischen Sänger von amore und bella donne.

Am Ende standen ein rauschender Applaus und ein herzliches Dankeschön an Frau Guder-Späth für ihre perfekte Regiearbeit. In ungezählten Probesitzungen hatte sie dafür gesorgt, dass Timing und Sprechtempo stimmten, sodass dem Publikum vor der Kulisse des Bühnenbildes von Christian Just ein kurzweiliger Abend geboten werden konnte.

P.S.: Good-bye Kleines Haus. Es war wohl die letzte Aufführung unserer Schüler an dieser traditionsreichen Spielstätte mit dem winzigen Regieraum neben der Bühne, den windigen Vorhängen als Bühnenabgrenzung, dem fehlenden Platz für Umbauteile, der Toilette, die während der Aufführungen nicht benutzt werden darf, damit man im Zuschauerraum nichts hört. Doch für viele unserer Schüler war es das erste richtige Theater mit Bühnenmeister, professioneller Licht- und Tontechnik, Schminktisch und Foyer. Kleines Haus – wir werden dich vermissen!

Es spielten:
Lelio: Sophia Koßmann
Pantalone: Ramona Raimund
Dottore: Lou-Réka Beitlich
Beatrice: Sophia Bindig
Rosaura: Darlene Caudle
Arlecchino: Sophie Brix; Sara Becker
Florindo: Franziska Schreiner
Brighello: Loris Kuether
Ottavio: Maximilian Kirchhofer
Colombina: Luise Neubauer
Kutscher: Franz Lang

Musik: Lukas Neuner
Bühnenbild: Christian Just
Regie: Angelica Guder-Späth