Komödie im Dunkeln

Eigentlich ist Stromausfall, doch auf der Bühne ist es hell, denn es wird gerade Licht in das Dunkel der Figuren gebracht.

Eigentlich ist Stromausfall, doch auf der Bühne ist es hell, denn es wird gerade Licht in das Dunkel der Figuren gebracht.

Eigentlich ist es für ein Theaterstück die Katastrophe schlechthin: Ein Stromausfall sorgt für Dunkelheit, sodass man nichts mehr sieht, obwohl es doch viel zu sehen und Verborgenes aufzuklären gäbe: versteckte Zusammenhänge, verborgene Handlungsmotive und das Innerste der Figuren. Sie liegen oft im Dunkeln, doch sie sichtbar werden zu lassen, bringt manchmal Licht in eine Angelegenheit. Lässt sich die Beleuchtungsmaschinerie des Theaters auf dieser Basis nicht gut als Metapher nutzen, um diesen paradoxen Zusammenhang zu verdeutlichen? Dies ist die Idee hinter Peter Shaffers „Komödie im Dunkeln“, die die Theatergruppe der Q12 im Kleinen Haus der Stadthalle auf die Bühne brachte.

Am Anfang ist scheinbar alles in Ordnung: Die Figuren betreiben Smalltalk und bereiten sich auf einen Verwandtenbesuch vor. Doch eigentlich ist nichts in Ordnung: Der junge Künstler will heiraten und deshalb dem potentiellen Schwiegervater imponieren, obwohl er innerlich noch an seiner Ex-Geliebten hängt. Weil das alles undurchsichtig ist, ist Dunkelheit auf der Bühne. Der Zuschauer hört die Stimmen, aber er blickt nicht durch.

Ein Stromausfall sorgt auf der Ebene der Spielhandlung für Finsternis. Auf der symbolischen Ebene erfolgt ein Blick ins dunkle Innere der Figuren. Er ist für den Zuschauer erhellend, weil er die Figuren jetzt besser sieht. Also geht auf der Bühne konsequenterweise das Licht an und dem Zuschauer manch ein Licht auf. Da die Schauspieler agieren, als herrsche Finsternis, ergibt sich eine zwangsläufige Komik, vor allem in den Bewegungsabläufen. Aber auch Shaffers witzige Texte sorgten dafür, dass es in der Stadthalle viel zu lachen gab und die Zuschauer sich am Schluss mit üppigem Applaus für einen äußerst kurzweiligen und sehr souverän gespielten Theaterabend bedankten.