{"id":16567,"date":"2000-02-11T06:00:35","date_gmt":"2000-02-11T05:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=16567"},"modified":"2017-08-06T19:04:04","modified_gmt":"2017-08-06T17:04:04","slug":"dringend-speisungsbeduerftig-die-not-der-fruehen-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=16567","title":{"rendered":"&#8222;Dringend speisungsbed\u00fcrftig&#8220;: Die Not der fr\u00fchen Jahre"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_16574\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Lehrerkollegium_1947_450.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16574\" class=\"size-full wp-image-16574\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Lehrerkollegium_1947_450.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"325\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Lehrerkollegium_1947_450.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Lehrerkollegium_1947_450-250x181.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16574\" class=\"wp-caption-text\">Das ausgehungerte Lehrerkollegium 1947<\/p><\/div>\n<p>Die US-Army marschierte am 30. April 1945 in M\u00fcnchen ein. Das Geb\u00e4ude des &#8222;Bayerischen Staatsministeriums f\u00fcr Unterricht und Kultus&#8220; war durch die Bombenangriffe verw\u00fcstet, die Beh\u00f6rde war f\u00fchrungslos. Der ehemalige Minister, Gauleiter Paul Giesler, war aus der Stadt geflohen und beging am 2. Mai 1945 Selbstmord. Die hochrangigen Mitarbeiter des Ministeriums waren untergetaucht.<\/p>\n<p>Unter diesen Voraussetzungen musste in Bayern das komplette Schulwesen neu aufgebaut und im fernen Bayreuth des M\u00e4dchengymnasium neu gegr\u00fcndet werden. Die Amerikaner wollten durch Radio und Film, durch einen Ausbau der Erwachsenenbildung und besonders durch eine Neustrukturierung der Schulen die NS-Verblendung \u00fcberwinden und durch ein neues demokratisches Gedankengut ersetzen. Das Ziel der amerikanischen Bildungspolitik sollte nichts Geringeres als die &#8222;re-education of a nation&#8220; sein. Beim neuen Schulleiter des M\u00e4dchengymnasiums stie\u00dfen diese Gedanken auf Einsicht. Dr. Bayer erkl\u00e4rte im ersten Jahresbericht der Nachkriegszeit 1946\/1947:<\/p>\n<p><em>Die wesentlich neue Aufgabe, welche der Schule \u00fcbertragen wurde, war die Erziehung der Jugend nach neuen Grunds\u00e4tzen, d.\u00a0h. nach Grunds\u00e4tzen, die dieser Jugend im allgemeinen neu waren, die Erziehung der Jugend im demokratischen Geist, der die neue Schule zu einer demokratischen Schule machen sollte.<\/em><\/p>\n<p>Aber wie sollte das Schulwesen neu und m\u00f6glichst schnell aufgebaut werden? Zuerst musste eine Schulbuchrevision stattfinden, um neues Unterrichtsmaterial in die H\u00e4nde zu bekommen. Neuerscheinungen deutscher Autoren waren auf die Schnelle nicht verf\u00fcgbar, ausl\u00e4ndische Lehrwerke konnten und sollten nicht einfach \u00fcbersetzt werden. Ein &#8222;Schw\u00e4rzen&#8220; von Seiten in den alten B\u00fcchern erwies sich als untauglich, da dies die Neugier der Sch\u00fcler umso mehr erregte. Also schloss man sich zuerst dem &#8222;Schulbuchnotprogramm&#8220; der Besatzungsmacht an: Mehr als f\u00fcnf Millionen teilweise alte Schulb\u00fccher wurden bis zum Oktober 1945 nachgedruckt. Dies reichte aber f\u00fcr eine Versorgung der Schulen bei weitem nicht aus, und viele der B\u00fccher waren inhaltlich v\u00f6llig \u00fcberholt.<br \/>\nDaher mussten notgedrungen die vorhandenen B\u00fccher \u00fcberpr\u00fcft und, falls es keine Beanstandungen gab, wieder f\u00fcr den Unterricht zugelassen werden. Diese Anordnung des neu aufgestellten Kultusministeriums erreichte am 22. Oktober 1945 auch das Direktorat der Schule. Das M\u00e4dchengymnasium reichte nun als einer der vielen Antragsteller insgesamt die Titel von 2509 B\u00fccher zur \u00dcberpr\u00fcfung ein, die daraufhin vor allem auf NS-Ideen und auf militaristische Ansichten \u00fcberpr\u00fcft wurden. 1047 B\u00fccher, meist mathematischen Inhalts, wurden umgehend, 567 Titel wurden nach \u00c4nderungen wieder zugelassen. In der Schule musste jedoch auch ein &#8222;Verzeichnis der ausgeschiedenen B\u00fccher&#8220; anlegen, in das beispielsweise eine &#8222;Rassenhygienische Fibel&#8220; eingetragen wurde. Dieses Verzeichnis umfasste schlie\u00dflich 859 (!) B\u00fccher, die nicht mehr benutzt werden durften. Ein besonderes Problem blieb l\u00e4ngere Zeit das Fehlen eines geeigneten Geschichtsbuchs, da sich in diesem Fach die Nazis besonders hervorgetan hatten. Aber auch viele Landkarten, Bildquellen und Lesestoffe konnten nicht mehr verwendet werden. Erst ab etwa 1950 gab es wieder eine normale Buchproduktion und nun konnten die Schulbuchsammlung und die Sch\u00fclerb\u00fccherei wieder aufgef\u00fcllt werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_16576\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ausgeschiedene_Buecher_450.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16576\" class=\"size-full wp-image-16576\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ausgeschiedene_Buecher_450.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"603\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ausgeschiedene_Buecher_450.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ausgeschiedene_Buecher_450-336x450.jpg 336w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/ausgeschiedene_Buecher_450-250x335.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16576\" class=\"wp-caption-text\">Verzeichnis der 1946 ausgesonderten B\u00fccher (erste Seite)<\/p><\/div>\n<p>Ein weiterer Schritt hin zum Aufbau eines demokratischen Schulwesens war die Revision der NS-Lehrpl\u00e4ne. Der Aufbau und die Verteilung des Stoffs mussten nicht vollst\u00e4ndig ver\u00e4ndert werden, aber die NS-Pr\u00e4missen und -Inhalte wurden getilgt und man griff auch auf Grundlagen aus der Weimarer Republik zur\u00fcck. Vor allem sollte sich das Auftreten der Lehrer und das Schulklima verbessern. Jedes milit\u00e4rische Getue war nun verp\u00f6nt, der Sportunterricht, der nun deutlich reduziert wurde, wurde von &#8222;milit\u00e4rischem Drill&#8220; befreit. Im Musikunterricht durften keinerlei Marsch- oder Kampflieder mehr angestimmt werden. Die Inhalte des Unterrichts \u00e4nderten sich grundlegend. Ein Aufsatzthema im Abitur 1948 lautete nun: &#8222;Auf kurze Sicht sind Kanonen st\u00e4rker, auf weite Sicht aber Ideen.&#8220; &#8211;<\/p>\n<p>Eine schwere H\u00fcrde war die Entnazifizierung der Lehrer. Die Nazis hatten die Ideologisierung der Lehrerschaft st\u00e4rker als die anderer Berufsgruppen vorangetrieben, um direkten Zugriff auf die jungen Menschen zu bekommen. Bayreuth war zudem der Sitz des &#8222;Nationalsozialistischen Lehrerbunds&#8220;, die Schulleitungen und viele Lehrer wollten sich in ihrer Gesinnungst\u00fcchtigkeit nicht \u00fcbertreffen lassen. Die belasteten alten Lehrerinnen und Lehrer mussten daher entlassen werden. Aber Ersatz stand nicht zur Verf\u00fcgung, und auch die in einem Schnellkurs von 12 Monaten ausgebildeten &#8222;Schulhelfer&#8220; konnten keine Abhilfe schaffen. Heimatvertriebene Lehrer, die &#8222;Fl\u00fcchtlingslehrer&#8220;, wurden nach einem beschleunigten Entnazifizierungsverfahren in den Schuldienst \u00fcbernommen, Lehramtsanw\u00e4rter noch in der Ausbildungsphase in den Schulbetrieb eingegliedert. Schlie\u00dflich musste dann doch wieder auf die zuvor entlassenen Lehrer zur\u00fcckgegriffen werden. Sie hatten den ber\u00fchmten Fragebogen auszuf\u00fcllen und wurden von einer &#8222;Spruchkammer&#8220; beurteilt. Wurden sie als &#8222;Mitl\u00e4ufer&#8220; eingestuft oder fielen sie unter eine Amnestie, konnte nach einer Stellungnahme durch die Beh\u00f6rden und die Milit\u00e4rregierung eine Wiedereinstellung erfolgen. Im Archiv der Schule findet sich beispielsweise noch ein Beurteilungsschreiben des Schulleiters, der, in englischer Sprache, um ein &#8222;re-employment&#8220; eines Lehrers ersuchte. Der Direktor versicherte, dass die betreffende Person nur ein &#8222;nominal party-member&#8220; war, als kein aktiver \u00fcberzeugter NS-Lehrer.<\/p>\n<div id=\"attachment_16578\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/spruchkammerbescheid.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16578\" class=\"size-full wp-image-16578\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/spruchkammerbescheid.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/spruchkammerbescheid.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/spruchkammerbescheid-250x173.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16578\" class=\"wp-caption-text\">Spruchkammerbescheid f\u00fcr einen Lehrer 1947<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_16580\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/jugendamnestie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16580\" class=\"size-full wp-image-16580\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/jugendamnestie.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"324\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/jugendamnestie.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/jugendamnestie-250x180.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16580\" class=\"wp-caption-text\">Amnestie f\u00fcr eine Jugendliche 1947<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_16582\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/reemployment_auszug.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16582\" class=\"size-full wp-image-16582\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/reemployment_auszug.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"630\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/reemployment_auszug.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/reemployment_auszug-321x450.jpg 321w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/reemployment_auszug-250x350.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16582\" class=\"wp-caption-text\">Antrag des Schulleiters f\u00fcr das re-employment eines Lehrers (Auszug, 1947)<\/p><\/div>\n<p>Das Schulhaus konnte dann im M\u00e4rz 1946 endlich wieder ge\u00f6ffnet werden. Zuerst mussten die Reste des dort stationierten &#8222;motorpools&#8220;, also Kriegsfahrzeuge mitsamt ihren Waffen, abtransportiert werden. Das Geb\u00e4ude hatte den Krieg zwar \u00fcberstanden, aber Leitungen und Rohre waren defekt, das Mauerwerk war schadhaft und es war in der Anarchie des Sommers 1945 zu Pl\u00fcnderungen gekommen. Zugleich waren jedoch durch die vielen Fl\u00fcchtlinge die Sch\u00fclerzahlen drastisch angestiegen. In Bayern waren 1946\/1947 an den h\u00f6heren Schulen durchschnittlich 23 Prozent der Sch\u00fcler &#8222;Fl\u00fcchtlingskinder&#8220;, und diese Zahl stieg in den Folgejahren noch an. Im Schuljahr 1950\/1951 musste dann eine Klasse mit 60 (!) Sch\u00fclerinnen eingerichtet und unterricht werden! Verst\u00e4ndlicherweise mussten daher am M\u00e4dchengymnasium alle Fachr\u00e4ume in regul\u00e4re Klassenzimmer umgewandelt werden. Der Unterricht fand nun in einem Schichtbetrieb statt: Ein Teil der Sch\u00fclerinnen wurde am Vormittag, der andere Teil am Nachmittag unterrichtet. Dieser Schichtunterricht endete endg\u00fcltig erst im Schuljahr 1956\/1957.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die r\u00e4umlichen M\u00f6glichkeiten waren begrenzt, auch die materielle Ausstattung war \u00fcberaus d\u00fcrftig. Es gab keine Schulhefte, ein neues Heft konnte oft nur gegen ein Kilo Altpapier eingetauscht werden. Der Mangel an Heften war besonders sp\u00fcrbar, denn da ja viele Schulb\u00fccher nicht mehr verwendet werden durften oder nicht mehr vorhanden waren, musste in vielen F\u00e4chern der Stoff in langen Diktaten und mit umfangreichen Zeichnungen vermittelt werden. Zugleich waren auch Stifte und Tinte Mangelware, eine amerikanische Spende mit &#8222;233 Schachteln Farbstiften&#8220; wurde bejubelt. Jede Seite Papier wurde daher eng beschrieben, auch alte NS-Formulare mussten aufgebraucht werden, auch wenn dies nicht erw\u00fcnscht war. Allt\u00e4gliches wie Toilettenpapier war ebenso kaum aufzutreiben, und da Kohlen fehlten, musste bisweilen in den kalten Monaten jede Sch\u00fclerin ein St\u00fcck Heizmaterial mitbringen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Hemmnis war die Anordnung der Besatzungsbeh\u00f6rde, dass sich jeder B\u00fcrger nur noch in einem engen Umkreis um seinen Wohnort bewegen durfte; die Reise- und Bewegungsfreiheit war aufgehoben. Viele ausw\u00e4rtigen Sch\u00fclerinnen war damit der Weg nach Bayreuth an die Schule versperrt. Diese Not machte jedoch erfinderisch. Man brauchte eine Erlaubnis f\u00fcr den Schulweg, ein &#8222;permit&#8220;, und dieses war nur mit einer Begr\u00fcndung erh\u00e4ltlich. Im Schularchiv finden sich daher zahlreiche &#8222;permits&#8220;, die die Fahrt nach Bayreuth schlie\u00dflich erlaubten. Beliebt war offenbar die Begr\u00fcndung, dass man in der Stadt Medikamente besorgen musste. Auf diese Weise wurde dann doch der Schulbesuch m\u00f6glich!<\/p>\n<div id=\"attachment_16586\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/permit_450.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16586\" class=\"wp-image-16586 size-full\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/permit_450.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/permit_450.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/permit_450-250x158.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16586\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fcher &#8222;permit&#8220; vom Mai 1945<\/p><\/div>\n<p>Der k\u00f6rperliche Zustand und die Ern\u00e4hrung der Sch\u00fclerinnen und der Lehrer waren katastrophal. Die amerikanischen Beh\u00f6rden hatten bereits zu Beginn des Schuljahrs 1946\/1947 beschlossen, mit Hilfe der Wohlfahrtsverb\u00e4nde, der Kirchen und dem Roten Kreuz eine Schulspeisung einzuf\u00fchren, um das Schlimmste abzuwenden. An der Schule wurde daher mit der Unterst\u00fctzung von \u00c4rzten und der Schulbeh\u00f6rde ein &#8222;Schulspeisungsausschuss&#8220; eingerichtet. Die Sch\u00fclerinnen wurden in drei Kategorien eingeteilt: in &#8222;normal ern\u00e4hrte&#8220;, in &#8222;speisungsbed\u00fcrftige&#8220; und in &#8222;dringend speisungsbed\u00fcrftige&#8220;. Daf\u00fcr wurden &#8222;Wiegelisten&#8220; ausgewertet, und es stellte sich heraus (was ohnehin jeder sehen konnte), dass beispielsweise fast alle Sch\u00fclerinnen in der Klasse 1a (eine 5. Klasse) untergewichtig waren und der zweiten oder dritten Gruppe zugewiesen werden mussten. Es wurde ein Untergewicht von bis zu elf Kilo (!) ermittelt! Die Kinder der 3. Kategorie erhielten daher eine Essensration mit etwa 400 Kalorien &#8211; was jedoch auch nicht gerade \u00fcberreichlich war. Ab dem 15. Mai 1947 wurde die Schulspeisung durch die Hoover-Hilfsaktion abgel\u00f6st, an der 700000 Sch\u00fcler in ganz Bayern teilnehmen konnten. Gegen ein geringes Entgelt wurden nun auch die Sch\u00fclerinnen des M\u00e4dchengymnasiums mit Nahrungsmitteln versorgt. Diese Speisung fand dann nach 1950 in den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs und der &#8222;Fresswelle&#8220; ihren Abschluss. &#8211; Von den bei der Speisung anwesenden Lehrerinnen und Lehrern wurde Charakterst\u00e4rke abverlangt. Sie mussten Aufsicht f\u00fchren, auch wenn ihr eigener Magen knurrte. Aber als Erwachsene hatten sie kein Anrecht auf eine Ration. Dankbar erinnerte sich eine Lehrerin sp\u00e4ter, dass ihr gelegentlich etwas heimlich von den Sch\u00fclerinnen zugesteckt wurde!<\/p>\n<div id=\"attachment_16587\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/wiegeliste_450.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16587\" class=\"size-full wp-image-16587\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/wiegeliste_450.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"648\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/wiegeliste_450.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/wiegeliste_450-313x450.jpg 313w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/wiegeliste_450-250x360.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16587\" class=\"wp-caption-text\">Wiegeliste der Klasse 1b im Schuljahr 1946\/1947<\/p><\/div>\n<p>In diesen Mangeljahren mussten auch die Sch\u00fcler und Lehrer wieder mithelfen, die Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen. Wie schon in den Kriegsjahren wurden sie auf die Felder geschickt, um die Ernte zu sichern. Als beispielsweise im Sommer 1947 wieder eine Kartoffelk\u00e4ferplage auftrat und da es an Arbeitskr\u00e4ften und an Ger\u00e4ten fehlte, wurden alle zum Sammeln der Insekten und ihrer Larven abgeordnet. Im Schulhaus wurden Schautafeln aufgestellt und Zettel ausgeteilt, damit man sich das Aussehen der Sch\u00e4dlinge gut einpr\u00e4gen konnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_16595\" style=\"width: 646px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/kartoffelkaefer_suchdienst_1946.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16595\" class=\"size-full wp-image-16595\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/kartoffelkaefer_suchdienst_1946.jpg\" alt=\"\" width=\"636\" height=\"740\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/kartoffelkaefer_suchdienst_1946.jpg 636w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/kartoffelkaefer_suchdienst_1946-387x450.jpg 387w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/kartoffelkaefer_suchdienst_1946-250x291.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 636px) 100vw, 636px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16595\" class=\"wp-caption-text\">Anweisungen f\u00fcr den ersten &#8222;Sch\u00fclerarbeitseinsatz&#8220; beim &#8222;Kartoffelk\u00e4fer-Suchdienst&#8220;\u00a0 im Juli 1945 (erste Seite)<\/p><\/div>\n<p>Auch wenn diese Jahre im R\u00fcckblick bisweilen schon wieder verkl\u00e4rt werden, so muss doch die Not bisweilen unvorstellbar gewesen sein. Einmal musste sich der Schulleiter sogar an das Schulamt wenden und um die &#8222;Zuteilung von ein Paar Kinderschuhen&#8220; bitten, da sich ansonsten eine Sch\u00fclerin nicht mehr auf den Schulweg machen konnte. Viele heimatvertriebene Sch\u00fclerinnen hausten in den Fl\u00fcchtlingsbaracken, hatten alles verloren und lebten fern von den fr\u00fcheren Verwandten und Bekannten.<\/p>\n<div id=\"attachment_16590\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/schuhwerk_450.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16590\" class=\"size-full wp-image-16590\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/schuhwerk_450.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/schuhwerk_450.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/schuhwerk_450-250x169.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16590\" class=\"wp-caption-text\">Antrag des Schulleiters Gl\u00f6ckel auf Zuteilung von Schuhen 1947<\/p><\/div>\n<p>Man hatte zwar den Krieg \u00fcberlebt, aber die Lage vieler Familien war verzweifelt. Eine Auswertung der erhaltenen Jahresberichte und Unterlagen ergibt, dass im Jahr 1947 elf Prozent (!) der V\u00e4ter von den 638 Sch\u00fclerinnen des M\u00e4dchengymnasiums vermisst oder im Krieg gefallen waren. (\u00dcber die Zahl der vermissten oder toten Br\u00fcder der Sch\u00fclerinnen, die im &#8222;wehrdienstf\u00e4higen Alter&#8220; gewesen waren, sollte man besser nicht nachdenken.) Hinzu kamen die V\u00e4ter, die noch nicht aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt waren oder die nicht mehr in ihren alten T\u00e4tigkeiten arbeiten konnten. Viele Familien standen damit ohne Ern\u00e4hrer da und mussten von der meist k\u00fcmmerlich bezahlten Arbeit der M\u00fctter und \u00e4lteren Geschwister leben.<\/p>\n<p>Die Lage war also bisweilen hoffnungslos, aber wenigstens hatten einige der alten Borniertheiten \u00fcberlebt: Noch immer galt es als selbstverst\u00e4ndlich, dass f\u00fcr den Besuch einer h\u00f6heren Schule auch &#8222;Schulgeld&#8220; zu entrichten war. Freilich h\u00e4uften sich nun verst\u00e4ndlicherweise am M\u00e4dchengymnasium die Gesuche, in denen um eine Erm\u00e4\u00dfigung dieser Geb\u00fchr nachgesucht wurde.<\/p>\n<div id=\"attachment_16591\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/gesuch_schulgeldermaessigung_450.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16591\" class=\"size-full wp-image-16591\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/gesuch_schulgeldermaessigung_450.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"652\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/gesuch_schulgeldermaessigung_450.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/gesuch_schulgeldermaessigung_450-311x450.jpg 311w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/gesuch_schulgeldermaessigung_450-250x362.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16591\" class=\"wp-caption-text\">Gesuch f\u00fcr eine Erm\u00e4\u00dfigung des Schulgelds 1946<\/p><\/div>\n<p><em>Viele Angaben in diesem Text st\u00fctzen sich auf eine Facharbeit der RWG-Sch\u00fclerin Nadine Barth, die sie 2003 \u00fcber die Nachkriegsjahre der Schule verfasst hat. Sie wurde auch in der Zeitschrift des Historischen Vereins f\u00fcr Oberfranken ver\u00f6ffentlicht:<br \/>\nNadine Barth, Schule und Erziehung in der Nachkriegszeit (1945-1950). Untersuchungen am Beispiel des Richard-Wagner-Gymnasiums. Bayreuth 2004 (Historischer Verein f\u00fcr Oberfranken. Sonderdruck aus Archiv f\u00fcr Geschichte von Oberfranken, Band 84)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die US-Army marschierte am 30. April 1945 in M\u00fcnchen ein. Das Geb\u00e4ude des &#8222;Bayerischen Staatsministeriums f\u00fcr Unterricht und Kultus&#8220; war durch die Bombenangriffe verw\u00fcstet, die Beh\u00f6rde war f\u00fchrungslos. Der ehemalige Minister, Gauleiter Paul Giesler, war aus der Stadt geflohen und beging am 2. Mai 1945 Selbstmord. Die hochrangigen Mitarbeiter des Ministeriums waren untergetaucht. 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