{"id":16520,"date":"2000-01-18T02:10:59","date_gmt":"2000-01-18T01:10:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=16520"},"modified":"2017-07-27T09:24:56","modified_gmt":"2017-07-27T07:24:56","slug":"mit-stil-und-voller-wuerde-hausmeister-baierlein-1920-1940","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=16520","title":{"rendered":"Von unnachahmlicher W\u00fcrde: Hausmeister Peter Baierlein 1913 bis 1940"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_16525\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Bayerlein_Hausmeister_1920_1940_450.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16525\" class=\"size-full wp-image-16525\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Bayerlein_Hausmeister_1920_1940_450.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Bayerlein_Hausmeister_1920_1940_450.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Bayerlein_Hausmeister_1920_1940_450-250x175.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16525\" class=\"wp-caption-text\">Hausmeister Baierlein mit Gemahlin, um 1930<\/p><\/div>\n<p>Der Hausmeister, auf Fr\u00e4nkisch &#8222;Huusmasder&#8220;: Jeder, der schon einmal mit einer Schule zu tun hatte oder gar schon einmal ein Schulgeb\u00e4ude betreten hat &#8211; und das d\u00fcrften recht viele Erdenkinder sein -, kennt die zentrale Bedeutung dieses Mannes. (Frauen sind in diesem Metier offenbar noch recht selten vertreten.)<\/p>\n<p>Denn es war, ist und bleibt nun einmal der Hausmeister, der den Betrieb am Laufen h\u00e4lt, die Sch\u00fcler reglementiert, die Lehrk\u00f6rper diszipliniert und den Schulleiter bzw. die Schulleiterin instruiert und den Pfad der Tugend weist. Ruhm und Ehre den Hausmeistern! Stille wirken und weben sie, frei nach Schiller, und dr\u00fccken den Schulen ihren Stempel auf &#8211; so oder so \u00e4hnlich sollte es zumindest sein.<\/p>\n<p>Die Schule hat schon viele bedeutende Hausmeister-Pers\u00f6nlichkeiten gesehen, aber wohl keine f\u00fcllte ihr Amt auf so bedeutsame Weise aus wie der weithin bekannte Hausmeister Peter Baierlein, der seinem Dienst von 1913 bis 1940 oblag. Stets mit Weste und dunklem Gehrock \u00fcberaus korrekt gekleidet, den umgeklappten Vaterm\u00f6rder-Kragen mit der Krawatte geschm\u00fcckt: So schritt er mit unnachahmlicher Grandezza \u00fcber die Korridore, klapperte mit dem Schl\u00fcsselbund und sp\u00e4hte durch seine Nickelbrille in die Zimmer. Ein langer wei\u00dfer Spitzbart, der w\u00fcrdevoll \u00fcber den ebenfalls spitzen Bauch herabwallte, unterstrich das distinktive Auftreten. Und so konnte es passieren und so passierte es auch mehrfach, dass eine schulfremde Person oder ein Elternteil beim Anblick des respektgebietenden Herrn erstarrte, in ihm eine leitende Lehrerpers\u00f6nlichkeit vermutete, ehrf\u00fcrchtig gr\u00fc\u00dfte und ihm umgehend Vertraulichkeiten dienstlicher oder elterlicher Natur offenbarte &#8211; bis dann endlich Schulleiter Pauli Wind von der Sache bekam, aus seinem Dienstzimmer herausst\u00fcrzte und das Missverst\u00e4ndnis aufkl\u00e4ren konnte.<\/p>\n<p>In bleibender Erinnerung blieb er aber der Sch\u00fcler- wie der Lehrerschaft als der Verantwortliche f\u00fcr die ingeni\u00f6se Klingelanlage. In jedem Stockwerk war eine Glocke an einem von oben nach unten durch das ganze Haus verlaufenden Stahlseil befestigt. Beim Stundenwechsel oder beim Pausenbeginn r\u00fcttelte der Hausmeister an dem Seil, und das daraufhin ausbrechende Gel\u00e4ut lie\u00df das Geb\u00e4ude erbeben. Das Ende der Pause wurde jedoch auf dem Pausenhof mit einer konventionellen Handglocke angestimmt. Und dieser Pausenhof vor der Aula war \u00fcberaus sch\u00f6n: Er war umfriedet von einer Umfassungsmauer, die oben mit einem kleinen Holzzaun geschm\u00fcckt war, und im Hof bl\u00fchten ein Flieder, ein Tulpenbaum sowie weitere B\u00e4ume und Str\u00e4ucher. Erst Ende der f\u00fcnfziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde dieser Pausenhof durch eine unsinnige stra\u00dfenbauliche Entscheidung verkleinert und planiert. Kein Wunder, dass die Sch\u00fclerinnen (und Lehrer) von Hausmeister Baierlein durch energische Klingelt\u00f6ne in die Klassenzimmer zur\u00fcckgetrieben werden mussten!<\/p>\n<div id=\"attachment_16539\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alter_pausenhof_1956.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16539\" class=\"wp-image-16539 size-large\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alter_pausenhof_1956-1024x724.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alter_pausenhof_1956-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alter_pausenhof_1956-450x318.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alter_pausenhof_1956-768x543.jpg 768w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alter_pausenhof_1956-250x177.jpg 250w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/alter_pausenhof_1956.jpg 1353w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16539\" class=\"wp-caption-text\">Der alte Pausenhof im Jahr 1956<\/p><\/div>\n<p>Weitere Erinnerungen an den Hausmeister Baierlein sind eher kulinarischer Natur, denn er war der Begr\u00fcnder des Pausenverkaufs. Seine Ehegattin hatte stets rechtzeitig zu Beginn der gro\u00dfen Pausen einen gro\u00dfen Blechtopf aufgestellt, aus dem nun lieblich duftende W\u00fcrstchen geangelt wurden. Bei den damaligen Preisen m\u00fcssen den heutigen Nachgeborenen die Tr\u00e4nen in die Augen kommen: Ein einzelnes W\u00fcrstchen im &#8222;Laabla&#8220; kostete (mit Senf!) 15 Pfennige, das Paar ging zu 25 Pfennige \u00fcber den Tisch. Zudem gab es auch Geb\u00e4ck, wie die begehrten &#8222;Amerikaner&#8220; (Preis: 5 Pfennige) und die verlockenden H\u00f6rnchen (10 Pfennige). Allerdings sollte man sich keine falschen Vorstellungen machen: Nur wohlhabende Sch\u00fclerinnen konnten sich in den zwanziger und drei\u00dfiger Jahren ein vollst\u00e4ndiges Paar W\u00fcrstchen leisten. Zudem entwickelte sich um die Wienerle ein wahrer Freundschaftskult, wie die Erinnerungen der Sch\u00fclerinnen sp\u00e4ter bezeugten: Es galt ein Zeichen der Wertsch\u00e4tzung, wenn die Freundin, die sich an diesem Tag keine Wurst leisten konnte oder wollte, einmal kr\u00e4ftig zubei\u00dfen durfte &#8211; !<\/p>\n<p>Dies alles und noch viel mehr geschah unter der wohlwollenden Regentschaft von Hausmeister Baierlein. Auch ihm geb\u00fchrt ein prominenter Platz in der Geschichte der Anstalt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hausmeister, auf Fr\u00e4nkisch &#8222;Huusmasder&#8220;: Jeder, der schon einmal mit einer Schule zu tun hatte oder gar schon einmal ein Schulgeb\u00e4ude betreten hat &#8211; und das d\u00fcrften recht viele Erdenkinder sein -, kennt die zentrale Bedeutung dieses Mannes. (Frauen sind in diesem Metier offenbar noch recht selten vertreten.) 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