{"id":16049,"date":"2000-02-02T01:30:19","date_gmt":"2000-02-02T00:30:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=16049"},"modified":"2017-08-06T18:25:11","modified_gmt":"2017-08-06T16:25:11","slug":"schule-unterm-hakenkreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=16049","title":{"rendered":"Schule unterm Hakenkreuz"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_16089\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16089\" class=\"size-full wp-image-16089\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942-1.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942-1.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942-1-250x195.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16089\" class=\"wp-caption-text\">Der Schulleiter bei der 75-Jahr-Feier 1942<\/p><\/div>\n<p>Mit dem 30. Januar 1933 begann die &#8222;Machtergreifung&#8220;, in Deutschland entstand die nationalsozialistische &#8222;F\u00fchrerdiktatur&#8220;. Es entwickelte sich die gr\u00f6\u00dfte Katastrophe der bekannten Geschichte, die in Deutschland dann erst im Mai 1945 endete.<\/p>\n<p>Auch die M\u00e4dchenschule in Bayreuth wurde bald von den neuen Entwicklungen ergriffen, die auf die Stadt besonders wirksamen Einfluss hatten. Denn sie war nicht nur eine der &#8222;Lieblingsst\u00e4dte&#8220; des F\u00fchrers, der hier besonders dem Werk Richard Wagners huldigte, sondern sie war auch der Standort des 1929 gegr\u00fcndeten &#8222;Nationalsozialistischen Lehrerbunds&#8220; (NSLB), der 1933 die alleinige Lehrerorganisation wurde und bis 1943 diensteifrig die nationalsozialistische Weltanschauung an den Schulen verbreitete. Sitz der Organisation war das &#8222;Haus der Deutschen Erziehung&#8220; in Bayreuth, von hier aus wurden publizistisch und agitatorisch die Ziele des Bundes vertreten. Sein Gr\u00fcnder und &#8222;Reichsamtsleiter&#8220; war Gauleiter Hans Schemm, nach seinem Tod 1935 \u00fcbernahm Gauleiter Fritz W\u00e4chtler die Leitung. Beide waren ihrer Ausbildung nach selbstverst\u00e4ndlich ebenfalls Lehrer.<\/p>\n<p>Der Schulleiter der M\u00e4dchenschule war seit 1913 Gustav Pauli, der sein Amt nach den Erinnerungen der Sch\u00fclerinnen \u00fcberaus freundlich, aufgeschlossen und tolerant versah. Aber krankheitsbedingt musste sich Pauli immer mehr von den Amtsgesch\u00e4ften zur\u00fcckziehen und er gab immer mehr T\u00e4tigkeiten ab. So wurde, wie an vielen anderen Schulen, bald der Weg frei f\u00fcr einen noch jungen, aufstrebenden Studienrat, der immer mehr Pflichten \u00fcbernahm und der sich ganz in den Dienst der NS-Weltanschauung gestellt hatte. Neben seiner T\u00e4tigkeit als Schulleiter arbeitete er schlie\u00dflich auch als &#8222;Gauhauptstellenleiter im Amt f\u00fcr Beamte&#8220;, als &#8222;Kreisamtsleiter des Amts f\u00fcr Erzieher Kreis Bayreuth-Eschenbach&#8220;, als &#8222;Referent f\u00fcr Assessorenfragen bei der Gauwaltung des NS-Lehrerbundes Gau Bayerische Ostmark&#8220; und als &#8222;Schuljugendwalter der Anstalt&#8220; &#8211; so verzeichnete es penibel der Jahresbericht 1937\/1938.<\/p>\n<p>1938 musste Pauli schlie\u00dflich wegen seines Herzleidens den Ruhestand antreten. Der Studienrat, der nun der neue Direktor wurde, hatte bereits vorher kommissarisch die Schule geleitet, obwohl eigentlich auch dienst\u00e4ltere Kollegen an der Schule waren. Er wurde von Gauleiter W\u00e4chtler am 31. Mai 1938 pers\u00f6nlich in sein Amt eingef\u00fchrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_16053\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Amtseinfuehrung_Schulleiter_31_5_1938.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16053\" class=\"size-full wp-image-16053\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Amtseinfuehrung_Schulleiter_31_5_1938.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Amtseinfuehrung_Schulleiter_31_5_1938.jpg 600w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Amtseinfuehrung_Schulleiter_31_5_1938-450x297.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Amtseinfuehrung_Schulleiter_31_5_1938-250x165.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16053\" class=\"wp-caption-text\">Amtseinf\u00fchrung des neuen Schulleiters in Anwesenheit des Gauleiters W\u00e4chtler<\/p><\/div>\n<p>Der neubestellte Direktor verfolgte unverkennbar den Ausbau der Schule zu einer nationalsozialistischen Musteranstalt &#8211; vermutlich wetteiferte er hierin mit den anderen Schulleitern in der Stadt des Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Dabei half ihm, dass schon seit 1933 die Eingliederung der Mitglieder der bisherigen Lehrerverb\u00e4nde in den Nationalsozialistischen Lehrerbund erfolgt war. Durch Druck und Zwang, aber bisweilen auch \u00fcberaus freiwillig stellten sich die Lehrerinnen und Lehrer in den Dienst des Regimes. Man hatte letztlich auch keine Wahl. Joachim Fest beschrieb 2006 in &#8222;Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend&#8220; am Beispiel seines Vaters das Schicksal eines Lehrers, der sich dem Regime verweigerte.<\/p>\n<p>Parallel zur Gleichschaltung und Einbindung der Lehrerschaft in das System kam es zur Etablierung des &#8222;Bundes Deutscher M\u00e4del&#8220; an der Schule. Anfangs war die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend bzw. im BDM formell freiwillig, aber seit dem &#8222;Gesetz \u00fcber die Hitlerjugend&#8220; vom 1. Dezember 1936 und sp\u00e4ter durch die &#8222;Zweite Durchf\u00fchrungsverordnung zum Gesetz \u00fcber die Hitler-Jugend (Jugend-Dienstverordnung)&#8220; vom 25. M\u00e4rz 1939 wurde die Mitgliedschaft Pflicht. Es war dem Direktor ganz besonders daran gelegen, dass auch wirklich alle Sch\u00fclerinnen dem Bund angeh\u00f6rten. F\u00fcr sein Renommee war dies unverzichtbar, denn nur eine Schule, in der mindestens 90 Prozent der Sch\u00fcler Mitglieder der HJ waren, hatte das Recht die &#8222;Hitlerjugend-Fahne&#8220; zu hissen. Das &#8222;Bayreuther Tagblatt&#8220; konnte das Erreichen der Prozentzahl schon am 17. Dezember 1935 vermelden:<\/p>\n<p><em>Nun la\u00dft die Fahnen fliegen! &#8211; Feierliche Flaggenhissung am St\u00e4dt. M\u00e4dchenlyzeum\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Nur noch zwei bzw. drei Sch\u00fclerinnen waren im Schuljahr 1937\/1938 und 1938\/1939 nicht beim BDM. (Es handelte sich dabei auch um die beiden letzten, noch verbliebenen j\u00fcdischen Sch\u00fclerinnen.) Geschah einmal das Unfassbare und verlie\u00df einmal eine &#8222;arische&#8220; Sch\u00fclerin den BDM, setzte der Schulleiter sofort zu Nachforschungen an und versuchte den Austritt r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n<div id=\"attachment_16055\" style=\"width: 529px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Nachforschungen_BDM.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16055\" class=\"size-full wp-image-16055\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Nachforschungen_BDM.jpg\" alt=\"\" width=\"519\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Nachforschungen_BDM.jpg 519w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Nachforschungen_BDM-405x450.jpg 405w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Nachforschungen_BDM-250x277.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16055\" class=\"wp-caption-text\">Nachforschungen des Schulleiters wegen des Austritts einer Sch\u00fclerin aus dem BDM<\/p><\/div>\n<p>Im Sinne der Ideologie der &#8222;Volksgemeinschaft&#8220; kam es zur Errichtung einer &#8222;Schulgemeinde&#8220;, die sich aus dem Schulleiter, den Funktion\u00e4ren von NS-Organisationen, dem BDM sowie den Lehrern und den Eltern zusammensetzte. Lehrpl\u00e4ne und Unterrichtsinhalte wurden mit dem NS-Denken konform gemacht. H\u00e4ufige feierliche Flaggenehrungen, Beteilung an &#8222;nationalen Festen&#8220; und nationalsozialistisch gestimmte Schulfeiern sollten \u00f6ffentlichkeitswirksam die Gesinnungst\u00fcchtigkeit der Anstalt dokumentieren.<\/p>\n<p>Neben den normalen Unterrichtsbetrieb traten zahllose Aktivit\u00e4ten des BDM, denen sich die Sch\u00fclerinnen wohl oder \u00fcbel anschlie\u00dfen mussten: Ausfl\u00fcge, Wanderungen, M\u00e4rsche, Zeltlager, Lagerfeuer mit \u00dcbernachtungen, Volkst\u00e4nze, Handarbeits- und Bastelabende, sportliche Wettk\u00e4mpfe, Fahrten zu Reichsparteitagen, Besuche von Parteiveranstaltungen, Anh\u00f6ren von &#8222;F\u00fchrerreden&#8220;, Schulungen und dergleichen Bet\u00e4tigungen bestimmten nun den schulischen Alltag wie auch die Freizeit. Es ist unverkennbar, dass die Gruppenerlebnisse, die dabei entstanden, oft \u00fcberaus erfreulich waren. Noch 1939, wenige Tage vor Kriegsbeginn, durfte eine kleine Gruppe von Sch\u00fclerinnen, eine &#8222;Spielschar&#8220;, auf dem funkelnagelneuen KdF-Dampfer &#8222;Robert Ley&#8220; eine Reise nach Norwegen mitmachen &#8211; ein unerh\u00f6rtes Erlebnis in einer Zeit, in der Urlaubsfahrten praktisch noch unbekannt und unerschwinglich waren. Andererseits erzeugten die zahllosen Bet\u00e4tigungen im BDM offenbar auch \u00dcberdruss und riefen oft die Kritik der Eltern hervor, die es gelegentlich auch gern sahen, wenn ihre Kinder den Unterricht besuchten.<\/p>\n<div id=\"attachment_16057\" style=\"width: 360px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Robert_Ley.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16057\" class=\"size-full wp-image-16057\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Robert_Ley.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Robert_Ley.jpg 350w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Robert_Ley-296x450.jpg 296w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Robert_Ley-250x380.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16057\" class=\"wp-caption-text\">Werbeprospekt f\u00fcr die KdF-Schiffsreisen (Schularchiv)<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_16058\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BDM_Liederbuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16058\" class=\"size-full wp-image-16058\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BDM_Liederbuch.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"621\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BDM_Liederbuch.jpg 900w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BDM_Liederbuch-450x311.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BDM_Liederbuch-768x530.jpg 768w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/BDM_Liederbuch-250x173.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16058\" class=\"wp-caption-text\">Wir M\u00e4del singen. Liederbuch des Bundes Deutscher M\u00e4del. Wolffenb\u00fcttel und Berlin 1937, S. 26f. (Schulmuseum des RWG)<\/p><\/div>\n<p>Der absolute Tiefpunkt der Schulgeschichte war jedoch der Kreuzzug gegen die j\u00fcdischen Mitsch\u00fclerinnen, der auf beh\u00f6rdliche Anordnung seit 1933 einsetze. Direktor Pauli ging mit den NS-Anordnungen offenbar lax um und stellte sich nach den Erinnerungen von j\u00fcdischen Sch\u00fclerinnen sogar hinter seine &#8222;M\u00e4dels&#8220;, wie die Erinnerungen der j\u00fcdischen Sch\u00fclerin und sp\u00e4teren Lehrerin Emmy Rindsberg bezeugen. Aber auch er musste willf\u00e4hrig sein. Aus dem Schuljahr 1936\/1937 ist eine Meldung an das Ministerium erhalten, die nicht nur die &#8222;St\u00e4rke&#8220; der Hitlerjugend bzw. des BDM festhielt, sondern auch im Sinne der NS-Rassenideologie meldete, dass an der Schule noch &#8222;5 nicht arische Sch\u00fcler&#8220; verblieben waren, n\u00e4mlich &#8222;2 Juden&#8220; und &#8222;3 Mischlinge&#8220;. Sie wurden noch vermerkt, aber in der Aufstellung bereits nicht mehr dazugez\u00e4hlt.<\/p>\n<div id=\"attachment_16297\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2000\/02\/Mitgliedschaft_Hitlerjugend_1936.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16297\" class=\"size-full wp-image-16297\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2000\/02\/Mitgliedschaft_Hitlerjugend_1936.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2000\/02\/Mitgliedschaft_Hitlerjugend_1936.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2000\/02\/Mitgliedschaft_Hitlerjugend_1936-250x237.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16297\" class=\"wp-caption-text\">Meldung \u00fcber die Mitgliedszahlen bei der Hitlerjugend 1936<\/p><\/div>\n<p>Unter dem neuen Direktor gab es dann keine R\u00fccksichtnahme mehr. Es kam zwar nicht zu Brutalit\u00e4ten, aber den noch verbliebenen j\u00fcdischen Sch\u00fclerinnen bzw. ihren Eltern wurde unnachsichtig deutlich gemacht, dass sie die Schule zu verlassen h\u00e4tten. Nicht alle j\u00fcdischen Mitsch\u00fclerinnen hatten das Gl\u00fcck dem Zugriff der Nazis zu entkommen &#8211; mehr als vierzig wurden von 1933 bis 1945 Opfer des Rassenwahns.<\/p>\n<div id=\"attachment_16060\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/NS_Biologiebuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16060\" class=\"size-full wp-image-16060\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/NS_Biologiebuch.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"631\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/NS_Biologiebuch.jpg 900w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/NS_Biologiebuch-450x316.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/NS_Biologiebuch-768x538.jpg 768w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/NS_Biologiebuch-250x175.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16060\" class=\"wp-caption-text\">Rassen- und Gesundheitslehre: Dr. Jakob Graf, Biologie f\u00fcr Oberschule und Gymnasium. 3. Band f\u00fcr Klasse 5: Der Mensch und die Lebensgesetze. M\u00fcnchen und Berlin 1940, Tafel 28\/29 (Schulmuseum des RWG)<\/p><\/div>\n<p>Im Zweiten Weltkrieg \u00e4nderte sich dann der Schulalltag schnell und sp\u00fcrbar. Bereits Ende 1939 wurde das Schulhaus vor\u00fcbergehend f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke beschlagnahmt. Immer h\u00e4ufiger wurden Lehrer, die &#8222;kriegsdienstverwendungsf\u00e4hig&#8220; waren, zum Milit\u00e4r eingezogen. Dem Schulleiter blieb dieses Schicksal erfreulicherweise erspart, als Mitarbeiter des Oberb\u00fcrgermeisters wurde er schlie\u00dflich bis kurz vor Kriegsende f\u00fcr &#8222;unabk\u00f6mmlich&#8220; erkl\u00e4rt. Da Rohstoffmangel herrschte, wurden die Sch\u00fclerinnen und Lehrer zu zahlreichen Sammelaktionen von Altstoffen eingesetzt. Im Januar 1942 musste eine strenge &#8222;Gru\u00dfordnung&#8220; erlassen werden, da der Schulleiter peinlich betroffen feststellen musste, dass die Sch\u00fclerinnen den Hitler-Gru\u00df auf \u00fcberaus nachl\u00e4ssige und coole Weise ausf\u00fchrten. 1943 haperte es wieder mit der erw\u00fcnschten v\u00f6lkisch-militaristischen Einstellung: Sch\u00fclerinnen besuchten noch immer einen Tanzkurs. Seit der Niederlage von Stalingrad war die Stimmung ohnehin bereits auf dem Tiefpunkt, das Tanzen wurde umgehend verboten. Bereits seit 1942 bis 1944 wurden dann die Sch\u00fclerinnen der 9. bis 12. Klassen zum Einbringen der Hopfenernte in die Hallertau verfrachtet. Die Lehrerinnen begleiteten und beaufsichtigten sie, kampiert wurde in den Stallungen und Scheunen der Hopfenbauern. Die aufgebrachten Eltern mussten von Gauleiter W\u00e4chtler in einem pers\u00f6nlichen Anschreiben beruhigt werden, in dem er ihnen versicherte, das f\u00fcr das Wohlergehen ihrer Kinder gesorgt werde.<\/p>\n<div id=\"attachment_16062\" style=\"width: 431px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Schreiben_Waechtler_Hopfenernte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16062\" class=\"size-full wp-image-16062\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Schreiben_Waechtler_Hopfenernte.jpg\" alt=\"\" width=\"421\" height=\"502\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Schreiben_Waechtler_Hopfenernte.jpg 421w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Schreiben_Waechtler_Hopfenernte-377x450.jpg 377w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Schreiben_Waechtler_Hopfenernte-250x298.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 421px) 100vw, 421px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16062\" class=\"wp-caption-text\">Schreiben des Gauleiters W\u00e4chtler wegen des Ernteeinsatzes der Sch\u00fclerinnen<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_16273\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2000\/02\/Hopfenernte_Mainburg_Holledau_1942_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16273\" class=\"size-full wp-image-16273\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2000\/02\/Hopfenernte_Mainburg_Holledau_1942_02.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2000\/02\/Hopfenernte_Mainburg_Holledau_1942_02.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2000\/02\/Hopfenernte_Mainburg_Holledau_1942_02-250x158.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16273\" class=\"wp-caption-text\">Dienstverpflichtung zur Hopfenernte seit 1942<\/p><\/div>\n<p>1942 kam es dann zum f\u00fcr lange Zeit letzten H\u00f6hepunkt im Schulleben: Die Schule feierte am 6. Juli ihr 75j\u00e4hriges Bestehen. Im gleichen Jahr wurde der Ausbau der Schule zur gymnasialen Vollanstalt abgeschlossen, den der umtriebige Schulleiter seit Ende der drei\u00dfiger Jahre zielstrebig verfolgt hatte. An der Schule konnte daher 1942 erstmals das Abitur abgelegt werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_16063\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16063\" class=\"size-full wp-image-16063\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"1380\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942.jpg 900w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942-293x450.jpg 293w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942-768x1178.jpg 768w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942-668x1024.jpg 668w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/75_Jahr_Feier_1942-250x383.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16063\" class=\"wp-caption-text\">Programm der 75-Jahr-Feier 1942, ein Beispiel f\u00fcr eine der zahllosen NS-Feiern und &#8222;Weihestunden&#8220; an der Schule<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_16064\" style=\"width: 451px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/erster_abiturjahrgang_1942.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-16064\" class=\"size-full wp-image-16064\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/erster_abiturjahrgang_1942.jpg\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/erster_abiturjahrgang_1942.jpg 441w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/erster_abiturjahrgang_1942-250x170.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 441px) 100vw, 441px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-16064\" class=\"wp-caption-text\">Sch\u00fclerinnen des ersten Abiturjahrgangs 1942<\/p><\/div>\n<p>Im Verlauf des Jahres 1944 kam der normale Unterrichtsbetrieb immer mehr zum Erliegen. Die gr\u00f6\u00dferen Sch\u00fclerinnen arbeiteten immer h\u00e4ufiger in Fabriken und Lazaretten. Seit Ende 1944 wurde das Schulhaus gr\u00f6\u00dftenteils als Lazarett genutzt. Unterricht fand nur noch unregelm\u00e4\u00dfig statt, schlie\u00dflich erhielten die restlichen gro\u00dfen Sch\u00fclerinnen ein Notabitur.<\/p>\n<p>Der Schulleiter hoffte vielleicht noch immer auf den Endsieg: Noch im Fr\u00fchjahr 1945 verpflichtete er die ersch\u00f6pften und unwilligen Sch\u00fclerinnen, den Unterricht weiterhin zu besuchen, da es ansonsten keine Teilnahme an den Abiturpr\u00fcfungen geben k\u00f6nne. Er geriet dann 1945 in Gefangenschaft. Seine Internierung endete erst 1948, er galt als schwer belastet und erst 1959 konnte er an die Schule zur\u00fcckkehren, an der er dann bis zu seinem Ruhestand unterrichtete &#8211; allerdings nicht mehr als Schulleiter.<\/p>\n<p>Gauleiter Fritz W\u00e4chtler, seinen F\u00f6rderer, ereilte ein anderes Schicksal. Der unbeherrschte, allseits unbeliebte und alkoholkranke Parteibonze setzte sich im April 1945 vor den amerikanischen Truppen aus Bayreuth ab und wurde schlie\u00dflich von den eigenen Leuten als &#8222;Schuft und Verr\u00e4ter&#8220; erschossen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem 30. Januar 1933 begann die &#8222;Machtergreifung&#8220;, in Deutschland entstand die nationalsozialistische &#8222;F\u00fchrerdiktatur&#8220;. Es entwickelte sich die gr\u00f6\u00dfte Katastrophe der bekannten Geschichte, die in Deutschland dann erst im Mai 1945 endete. Auch die M\u00e4dchenschule in Bayreuth wurde bald von den neuen Entwicklungen ergriffen, die auf die Stadt besonders wirksamen Einfluss hatten. 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