{"id":15749,"date":"2000-01-04T04:00:07","date_gmt":"2000-01-04T03:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=15749"},"modified":"2017-08-05T13:43:51","modified_gmt":"2017-08-05T11:43:51","slug":"hierzu-freie-meublierte-wohnung-und-beheizung-das-schicksal-der-fraeulein-lehrerinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=15749","title":{"rendered":"&#8222;&#8230; hierzu freie meublierte Wohnung und Beheizung&#8220;: Das Schicksal der Fr\u00e4ulein Lehrerinnen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_15753\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/abschlussklasse_1915_birnstein_600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15753\" class=\"size-full wp-image-15753\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/abschlussklasse_1915_birnstein_600.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/abschlussklasse_1915_birnstein_600.jpg 600w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/abschlussklasse_1915_birnstein_600-450x325.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/abschlussklasse_1915_birnstein_600-250x180.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15753\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00e4ulein Else Birnstein, erste Reihe Mitte, mit ihrer Abschlussklasse 1915<\/p><\/div>\n<p>Bedeutungsschwer definiert das Bayerische Gesetz \u00fcber das Erziehungs- und Bildungswesen (salopp abgek\u00fcrzt als BayEUG) schon in seinem zweiten Artikel, dass es zu den &#8222;Aufgaben der Schulen&#8220; geh\u00f6rt, &#8222;auf Arbeitswelt und Beruf vorzubereiten, in der Berufswahl zu unterst\u00fctzen und dabei insbesondere M\u00e4dchen und Frauen zu ermutigen, ihr Berufsspektrum zu erweitern&#8220;. Es wird also als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt, dass die Jungen und eben vor allem auch die M\u00e4dchen eine Schulbildung erhalten m\u00fcssen und anschlie\u00dfend ein Ausbildung erhalten sollen, um sp\u00e4ter einmal beruflich ihren Mann bzw. ihre Frau stehen zu k\u00f6nnen. Es gibt \u00fcbrigens auch heute noch L\u00e4nder, in denen aus traditionellen, meist religi\u00f6sen Gr\u00fcnden ganzen Bev\u00f6lkerungsgruppen, speziell den Frauen, das Berufsleben weitgehend versperrt ist. \u00dcber die wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer Aussperrung der H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung muss hier nicht weiter spekuliert werden.<\/p>\n<p>Aber auch hierzulande war es ein weiter Weg bis zur selbstverst\u00e4ndlichen Berufst\u00e4tigkeit auch der Frauen. Hier muss man allerdings genau zwischen den verschiedenen sozialen Ebenen unterscheiden. Wie zu allen Zeiten stellte sich das Problem f\u00fcr die Frauen der unteren Schichten nicht: Ihnen stand wie selbstverst\u00e4ndlich ein Leben voller Arbeit, Sorgen, Not und M\u00fch&#8216; bevor. Die Landfrauen durften im Schwei\u00dfe ihres Angesichts arbeiten, f\u00fcr die Arbeiterfrauen gab es vielleicht eine Stelle in einer der neuen Fabriken, die Frauen der Handwerker und der einfachen Gewebetreibenden hatten &#8222;mitzuarbeiten&#8220;. F\u00fcr die Frauen der besseren und h\u00f6hergestellten Schichten war ein anderer Lebensweg vorgezeichnet. Einerseits war man hoffentlich durch die Aussicht auf eine Erbschaft, die dereinst dem beg\u00fcterten Elternhaus entspringen w\u00fcrde, ohnehin vieler Sorgen ledig. Andererseits war es aber die selbstverst\u00e4ndliche Bestimmung, einmal als Gattin, Hausfrau und Mutter der Kinder eines angesehenen und seinerseits beg\u00fcterten Ehemanns ein repr\u00e4sentatives und b\u00fcrgerlich-behagliches Leben zu f\u00fchren &#8211; ein Leben, bei dem die harte Arbeit die anderen tun. Eine Berufsausbildung im eigentlichen Sinne hatten diese Frauen nicht, dies war f\u00fcr sie auch nicht sinnvoll und nicht standesgem\u00e4\u00df. (F\u00fcr sie gab es Bildungseinrichtungen wie die 1867 gegr\u00fcndete &#8222;H\u00f6here T\u00f6chterschule in Bayreuth&#8220;.)<\/p>\n<p>Wie aber stand es mit den Frauen, die noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts einer problematischen &#8222;Zwischenschicht&#8220; angeh\u00f6rten, die also nicht dem Landvolk oder der Arbeiterschaft, sondern einem gebildeten B\u00fcrgerstand entstammten, die andererseits aber auch nicht die materielle Absicherung des gehobenen B\u00fcrgertums besa\u00dfen? Die also darauf angewiesen waren, sich mit der eigenen Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen, die jedoch nicht f\u00fcr sie bereits &#8222;unstandesgem\u00e4\u00dfe&#8220; Arbeiten verrichten wollten oder konnten? Hier sah es sehr problematisch aus, denn f\u00fcr diese Frauen gab es noch lange Zeit nur ganz wenige berufliche M\u00f6glichkeiten, etwa als Gouvernante in der Kindererziehung, als &#8222;Gesellschafterin&#8220; oder &#8222;Reisebegleiterin&#8220; in den vornehmen Kreisen oder, anfangs sehr begrenzt, im Bereich der Kranken- und Altenpflege.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit war eine Ausbildung zur Lehrerin, die ungef\u00e4hr so aussah: Nach dem Besuch einer T\u00f6chterschule oder durch eine Vorbereitung mit Privatunterricht konnten die jungen M\u00e4dchen, die oft erst 16 Jahre alt waren, in eine &#8222;Selecta&#8220; eintreten, eine Vorbereitungsschule, die etwa eineinhalb Jahre dauerte und mit einer Lehrerinnen-Pr\u00fcfung vor einer Pr\u00fcfungskommission abschloss. Als &#8222;gepr\u00fcfte Lehrerin&#8220; konnte man sich nun auf eine der Stellen bewerben, wie sie etwa von der H\u00f6heren T\u00f6chterschule in Bayreuth ausgelobt wurden. Etwas besser qualifiziert waren die Besucherinnen von &#8222;Lehrerinnenseminaren&#8220;, die es allerdings nur im fortschrittlichen Preu\u00dfen und Sachsen gab. Manche Lehrerinnen hatten auch gar keine Pr\u00fcfungszeugnisse, sie konnten &#8222;nur&#8220; Zeugnisse von Familien vorweisen, in denen sie als Erzieherinnen t\u00e4tig gewesen waren. Man darf sich allerdings nicht t\u00e4uschen: Vor allem die Fremdsprachenkenntnisse dieser Frauen m\u00fcssen bisweilen vorz\u00fcglich gewesen sein, sie konnten oft jahrelange Aufenthalte in Ausland vorweisen. Auch der &#8222;Unterrichtsrath&#8220; der H\u00f6heren T\u00f6chterschule in Bayreuth war mit der Qualit\u00e4t des Unterrichts durch diese Frauen meist durchaus zufrieden, die zudem den unschlagbaren Vorteil hatten, dass ihre Entl\u00f6hung wesentlich geringer als die von vergleichbaren ausgebildeten Lehrern war. &#8211;<\/p>\n<p>Damit beginnt die Geschichte der Fr\u00e4ulein Lehrerinnen der H\u00f6heren T\u00f6chterschule in Bayreuth, des heutigen Richard-Wagner-Gymnasiums. 1867 gegr\u00fcndet, galt es nat\u00fcrlich als selbstverst\u00e4ndlich, dass die Leitung einer Schule, auch wenn es &#8222;nur&#8220; eine private Anstalt f\u00fcr M\u00e4dchen war, trotzdem nur durch einen Mann erfolgen konnte, &#8222;ohne in den meisten F\u00e4llen die Handhabung des Disciplin in bedenklicher Weise gef\u00e4hrdet zu sehen&#8220;, wie das &#8222;Bayreuther Tagblatt&#8220; am 6. August 1867 textete. Dankenswerterweise \u00fcbernahm nun Georg Grossmann, der Direktor des humanistischen Gymnasiums, die Schulleitung und beaufsichtigte sie nebenamtlich. Auf Grossmann folgten Georg Heidner und Karl Kesselring als Anstaltsleiter, aber erst 1913 trat mit Gustav Pauli der erste hauptamtliche Direktor der Schule an.<\/p>\n<p>Problematisch aber war die Anwerbung von weiterem Lehrpersonal. Einen Teil des Unterrichts \u00fcbernahmen Professoren des Humanistischen Gymnasiums, also Kollegen von Direktor Grossmann. Auch Pfarrer und Rabbiner waren im Kollegium vertreten. Sie waren akademisch gebildet, hatten ein gesichertes Einkommen und sogar Anrecht auf eine Pension. Den Unterricht an der T\u00f6chterschule betrieben sie eher im Nebenamt, ohne belastende T\u00e4tigkeiten wie Aufsichten oder organisatorische Pflichten. Hinzu kam ein ausgebildeter Volksschullehrer, Georg Hoffmann, der von 1867 bis 1878 an der Schule war, und der die F\u00e4cher unterrichten sollte, die er auch an der Volksschule gegeben hatte. Die Stelle galt als ehrenvoll, aber sie war schlecht bezahlt. Sogar der Schulgr\u00fcnder, Spinnereidirektor Carl Kolb, setzte sich bei den staatlichen Stellen f\u00fcr eine Gehaltsaufbesserung ein, jedoch ohne Erfolg.<\/p>\n<p>An die Seite von Volksschullehrer Hoffmann sollten zwei hauptamtliche Lehrerinnen treten, so wurde es bereits im Jahr der Schulgr\u00fcndung 1867 beschlossen. Eine sollte die Stunden f\u00fcr die &#8222;weiblichen Arbeiten&#8220;, also die Handarbeiten, \u00fcbernehmen, die andere war vor allem f\u00fcr den Unterricht in den modernen Fremdsprachenunterricht vorgesehen, zumal die studierten Herren Lehrer ja eher f\u00fcr das noblere Latein und das bildungsstolze Griechisch zust\u00e4ndig waren. Die Absicht des &#8222;Unterrichtsraths&#8220; war l\u00f6blich, aber die konkrete Umsetzung beanspruchte oft viel Zeit.<\/p>\n<p>Am 14. Oktober 1867 kam es anfangs jedoch rasch zur ersten hauptamtlichen Anstellung einer Lehrerin besonders f\u00fcr die Fremdsprachen. Fr\u00e4ulein Johanna Str\u00f6bl unterrichtete fortan Franz\u00f6sisch, Englisch, Handarbeiten und &#8222;Anstandslehre&#8220; an der Schule. (Dass sie auch in Handarbeiten unterwies, galt als besonders praktisch: Sie konnte dabei franz\u00f6sisch mit den M\u00e4dchen parlieren.) Sie gab 19 Stunden, musste aber zus\u00e4tzlich stets die Sch\u00fclerinnen beaufsichtigen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wurden jedoch aufw\u00e4ndige Ausschreibungen notwendig, um geeignetes Unterrichtspersonal zu finden. Aus den Unterlagen der folgenden Jahre wird deutlich, dass zwischen 1878 und 1891 die Schule dann insgesamt sieben Ausschreibungen f\u00fcr die Stellen von Lehrerinnen veranstaltete. Die Anzeigen wurden nicht nur in der regionalen Presse, sondern auch in ausw\u00e4rtigen Bl\u00e4ttern aufgegeben. Es gingen Bewerbungen aus dem gesamten Reichsgebiet ein. Die Zahlen schwanken zwischen 21 und 137 (!), ein deutlicher Hinweis darauf, dass es &#8211; schon damals &#8211; ein \u00dcberangebot von Lehrpersonal auf dem Arbeitsmarkt gab. Eine der ersten Stellenanzeigen von 1878 lautet wie folgt:<\/p>\n<p><em>An der hiesigen h\u00f6heren T\u00f6chterschule ist die Stelle einer gepr\u00fcften Lehrerin im Franz\u00f6sischen und Englischen bis Mitte September zu besetzen. Maximum der Stunden bis 22; Gehalt vorl\u00e4ufig 900 M [j\u00e4hrlich!], hierzu freie meublierte Wohnung und Beheizung. Turnunterricht gegen besonderes Honorar. Meldungen unter Beilage der erforderlichen Zeugnisse bis 16. Juni an das Directorium.<\/em><\/p>\n<p>1869 kam es aber schnell zur Besetzung der zweiten hauptamtlichen Stelle f\u00fcr eine Lehrerin. Es ging jetzt um die Anstellung der &#8222;Arbeitslehrerin&#8220;, d. h. einer Handarbeitslehrerin. Vor allem sollten die Bewerberinnen die Bef\u00e4higung f\u00fcr das &#8222;Wei\u00dfn\u00e4hen&#8220; besitzen. Schulleiter Grossmann nahm die Sache so ernst, dass er die (m\u00e4nnlichen) Mitglieder des Unterrichtsraths aufforderte, sich mit ihren Frauen wegen der Eignung der Bewerberinnen zu beraten. (Spinnereidirektor Carl Kolb regte an, dass in der unteren 5. Klasse jedoch zuerst das Stricken gelehrt werden m\u00fcsse; erst in den oberen Klassen d\u00fcrfe das Wei\u00dfn\u00e4hen und das Sticken, dann aber ausschlie\u00dflich, unterrichtet werden.) Auf Fr\u00e4ulein Magdalena Hacker aus Bayreuth, Tochter einer Assessorswitwe, fiel dann schlie\u00dflich die Wahl unter elf Bewerberinnen.<\/p>\n<p>Als Fr\u00e4ulein Hacker 1878 aus dem Schuldienst ausschied, kam nun Fr\u00e4ulein Therese Pabst, die Tochter eines pensionierten Bataillionsquartiermeisters, zum Zug. Sie blieb als &#8222;Arbeitslehrerin&#8220; die lange Zeit bis 1908 an der Schule. Sie war keine Absolventin einer Lehrerinnenbildungsanstalt, sondern konnte vorz\u00fcgliche Zeugnisse als Erzieherin und Hauswirtschafterin vorweisen. Direktor Grossmann wies sie am Tag ihres Dienstantritts in ihre Pflichten ein, wobei mit &#8222;Lesen&#8220; hier offenbar &#8222;Vorlesen&#8220; und mit &#8222;keine Familienangelegenheiten&#8220; hier offenbar der st\u00e4dtische Klatsch gemeint war:<\/p>\n<p><em>1. Methodisches Arbeiten. Kein Lesen w\u00e4hrend des Arbeitsunterrichts. Keine Weihnachtsarbeiten.<br \/>\n2. Entschiedenes Auftreten. Sprache, Haltung, Reinlichkeit der Sch\u00fclerinnen. Absolute Ruhe.<br \/>\nErste bis dritte Klasse: Du &#8211; Anrede<br \/>\nVierte bis f\u00fcnfte Klasse: Sie &#8211; Anrede<br \/>\n3. Keine Kritik der fr\u00fcheren Arbeiten. Keine Familienangelegenheiten, keine Stadtneuigkeiten.<\/em><\/p>\n<p>Eine weitere Lehrerin war Fr\u00e4ulein Else Birnstein, geboren am 10. August 1867 in Sonderhausen, wo sie 1886 auch vor der F\u00fcrstl. Schwarzburgischen Pr\u00fcfungskommission f\u00fcr mittlere und h\u00f6here M\u00e4dchenschulen angetreten war. Auch ihr &#8222;sittliches Verhalten&#8220; konnte hier als &#8222;tadellos&#8220; beurteilt werden. Aufgrund ihres mehr als erfreulichen Zeugnisses trat sie 1891 in die Dienste der Schule, und Direktor Grossmann musste besonders ihre Schrift mit &#8222;s.s.g.&#8220; benoten: &#8222;sehr sehr gut&#8220;. Else Birnstein unterrichtete besonders in Englisch und Franz\u00f6sisch, und das mit gro\u00dfem Erfolg: Ihre Sch\u00fclerin Emmy Rindsberg, der noch 1941 die Flucht aus Nazi-Deutschland in die USA gelang, berichtet in ihren Erinnerungen, dass es vor allem die durch Else Birnstein erlangten Kenntnisse waren, die ihr das \u00dcberleben in den USA erm\u00f6glichten.<br \/>\nElse Birnstein ist die einzige der Fr\u00e4ulein Lehrerinnen, von der Bilder erhalten sind. F\u00fcr die Sch\u00fclerinnen war die elegante Dame aus Sonderhausen das &#8222;Ideal&#8220;, wie es in den Erinnerungen einer Sch\u00fclerin des Jahrgangs 1906 hei\u00dft:<\/p>\n<p><em>Fr\u00e4ulein Birnstein war das Ideal f\u00fcr uns junge M\u00e4dchen: lieblich anzusehen, mit th\u00fcringischer Sprache, die damals f\u00fcr unsere Ohren sehr nett klang, und jeden Tag frisch und entz\u00fcckend gekleidet. Bei ihr gab es Flei\u00dfstriche und -punkte, was f\u00fcr uns sehr anreizend war, gut zu lernen. <\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_15755\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/zeichenunterricht_1919_20_600.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15755\" class=\"size-full wp-image-15755\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/zeichenunterricht_1919_20_600.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/zeichenunterricht_1919_20_600.jpg 600w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/zeichenunterricht_1919_20_600-450x338.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/zeichenunterricht_1919_20_600-250x188.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15755\" class=\"wp-caption-text\">Else Birnstein mit ihren Sch\u00fclerinnen im Zeichensaal 1919<\/p><\/div>\n<p>Um Else Birnstein rankt sich zudem eine geradezu romanhafte Legende, die nicht in den Schulpapieren verzeichnet ist, die aber noch viele Jahre an der Anstalt erz\u00e4hlt wurde: Auf die anmutige Lehrerin fielen auch die Augen eines jungen Offiziers der Bayreuther Garnison, und, in Liebe entbrannt, hielt er schlie\u00dflich um die Hand des Fr\u00e4uleins an. Man kann sich vorstellen, wie s\u00e4mtliche Sch\u00fclerinnen mit ihrer Lehrerin f\u00fchlten! &#8211; Doch f\u00fcr eine Eheschlie\u00dfung musste der junge Held die Heiratserlaubnis des kommandierenden Offiziers einholen, und diese Erlaubnis wurde selbstverst\u00e4ndlich verweigert: F\u00fcr einen Offizier, der Verpflichtungen hatte, kam nur eine standesgem\u00e4\u00dfe Eheschlie\u00dfung mit einer reichen Frau in Betracht, die Heirat mit einem armen Fr\u00e4ulein Lehrerin war indiskutabel. &#8211;<\/p>\n<p>Die Aufz\u00e4hlung der Fr\u00e4ulein Lehrerinnen, die an der H\u00f6heren T\u00f6chterschule bis zum Ersten Weltkrieg und noch dar\u00fcber hinaus t\u00e4tig waren, lie\u00dfe sich noch lange fortsetzen. Eine Zusammenstellung von Luise Dietzfelbinger von 1994 listet insgesamt zehn Fr\u00e4ulein Lehrerinnen auf, von denen Arbeitspapiere erhalten sind und die von 1867 bis 1927 an der Schule t\u00e4tig waren. Zu ihnen kommt noch eine gro\u00dfe Zahl von Lehrerinnen, die, da ohne berufliche Qualifizierung, als &#8222;billige&#8220; Lehrerinnen angestellt wurden &#8211; die aber durchaus durch ihre Vorkenntnisse als Erzieherinnen besonders in den modernen Fremdsprachen unterrichten konnten.<\/p>\n<p>Wer nun denkt, dies ist ein Bericht aus der guten alten Zeit, der geht in die Irre. Die gute alte Zeit war nicht immer gut. In den Schulpapieren wird immer die Bezeichnung &#8222;Fr\u00e4ulein Lehrerin&#8220; verwendet, und das aus einem bestimmten Grund: Bis zum Jahr 1953 (!) galt in Bayern und in anderen Bundesl\u00e4ndern der &#8222;Lehrerinnen-Z\u00f6libat&#8220;, der 1880 im Deutschen Reich per Ministerialerlass eingef\u00fchrt worden war. Erst 1957 wurde durch das Bundesarbeitsgericht diese Klausel endg\u00fcltig verboten, die es Lehrerinnen untersagte zu heiraten. Heiratete die Lehrerin, musste sie den Schuldienst verlassen. Einer eventuell verbeamteten Lehrerin konnten bisweilen sogar der Beamtenstatus sowie die Pensionsanspr\u00fcche entzogen werden. Dies wurde mit allerlei moralischen und f\u00fcrsorglichen Argumenten verbr\u00e4mt, da man Lehrerinnen beispielsweise die &#8222;Doppelbelastung&#8220; von Ehe und Beruf ersparen wollte. Zudem sollten sich die Frauen (nicht die Herren) ausschlie\u00dflich um ihren Lehrerberuf k\u00fcmmern. F\u00fcr die Herren Lehrer war der Z\u00f6libat aber ein \u00fcberaus praktisches Mittel, um sich berufliche Konkurrenz vom Hals zu halten. Der Lehrerinnen-Z\u00f6libat erkl\u00e4rt auch, warum einige (wenige) Lehrerinnen nur kurze Zeit an der H\u00f6heren T\u00f6chterschule waren: Sie konnten und wollten sich offenbar verheiraten.<\/p>\n<p>Das Schicksal der Fr\u00e4ulein Lehrerinnen, die im Schuldienst verblieben, war nicht immer rosig. Ihre Bezahlung war eher m\u00e4\u00dfig, das Ansehen bei den wohlsituierten Eltern und Honoratioren wohl nicht gleichbleibend hoch, und im Alter stand man als unverheiratete Frau oft alleine da und konnte froh sein, wenn man Anschluss an eine Familie, Freunde oder Verwandte fand. Aber diese Frauen hatten hoffentlich den Trost, dass sie, im Rahmen ihrer M\u00f6glichkeiten, schon zu ihrer Zeit ein selbstbestimmtes Leben gef\u00fchrt hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bedeutungsschwer definiert das Bayerische Gesetz \u00fcber das Erziehungs- und Bildungswesen (salopp abgek\u00fcrzt als BayEUG) schon in seinem zweiten Artikel, dass es zu den &#8222;Aufgaben der Schulen&#8220; geh\u00f6rt, &#8222;auf Arbeitswelt und Beruf vorzubereiten, in der Berufswahl zu unterst\u00fctzen und dabei insbesondere M\u00e4dchen und Frauen zu ermutigen, ihr Berufsspektrum zu erweitern&#8220;. 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