{"id":15660,"date":"2000-01-18T02:20:13","date_gmt":"2000-01-18T01:20:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=15660"},"modified":"2017-08-06T18:10:18","modified_gmt":"2017-08-06T16:10:18","slug":"eine-unmenge-geistiger-und-handwerklicher-arbeit-das-puppentheater-der-schule-1920-bis-1939","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=15660","title":{"rendered":"&#8222;&#8230;eine Unmenge geistiger und handwerklicher Arbeit&#8220;: Das Puppentheater der Schule 1920 bis 1939"},"content":{"rendered":"<p>Puppen-, Marionetten-, Handstab-, Drahtfiguren- und Fingerpuppentheater: Das war seit der Jahrhundertwende 1900 ein Trend der Zeit, denn man experimentierte mit neuen bzw. alten B\u00fchnenformen, und dazu geh\u00f6rte wieder das schon lange bekannte und noch von Goethe hoch gelobte Puppentheater. In den zwanziger Jahren rief man dann auch die Schulen zur F\u00f6rderung des Puppenspiels auf, vom man sich nicht zu Unrecht besondere Anregungen f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Phantasie erhoffte.<\/p>\n<p>So fand an der Schule schon 1920 ein Puppenspiel im Rahmen einer Theaterauff\u00fchrung statt. Schulleiter Pauli fand Gefallen an dem Spiel und f\u00f6rderte es nach Kr\u00e4ften, da er schnell bemerkte, dass sich die Sch\u00fclerinnen mitsamt ihren Eltern mit viel Hingabe bei den Auff\u00fchrungen einbrachten. Zudem konnte er feststellen, dass das Puppentheater der Schule schnell \u00f6ffentliche Beachtung fand: Die Presse berichtete und sogar Prominenz wurde in das Schulhaus gelockt. Ab 1927 wurde daher an der Schule ein st\u00e4ndiges Puppentheater etabliert, dessen Auff\u00fchrungen meist am Faschingsdienstag stattfanden &#8211; denn schulfrei gab es an diesem Tag noch nicht, andererseits wollte man offenbar nicht nur den Unterricht abhalten.<\/p>\n<p>Das alles w\u00e4re aber nicht m\u00f6glich gewesen, wenn nicht drei tatkr\u00e4ftige Lehrerinnen und Lehrer zur Verf\u00fcgung gestanden h\u00e4tten, die die Puppen dann auch tanzen lie\u00dfen. Der vielseitig begabte Oberlehrer Karl Pfaffenberger (1918-1945 an der Schule) gr\u00fcndete nicht nur die biologische Sammlung der Schule und versorgte den Schulgarten, sondern modellierte auch die Puppen aus Pappmach\u00e9 und bemalte sie. Angeregt wurde er dabei von den Puppen der damals weithin bekannten Hohensteiner B\u00fchne. Pfaffenberger \u00fcbernahm auch die Installation und den Betrieb der B\u00fchnentechnik.<\/p>\n<div id=\"attachment_15668\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_aufnahme_altdeutsche_wohnstube.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15668\" class=\"size-full wp-image-15668\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_aufnahme_altdeutsche_wohnstube.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"321\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_aufnahme_altdeutsche_wohnstube.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_aufnahme_altdeutsche_wohnstube-250x178.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15668\" class=\"wp-caption-text\">Photographie einer Auff\u00fchrung des st\u00e4ndigen Puppenttheaters der Schule, hier ein B\u00fchnenbild mit einer &#8222;altdeutschen&#8220; Wohlstube<\/p><\/div>\n<p>Die Kunsterzieherin Elisabeth Thiermann (1923 bis 1956 an der Schule) unterst\u00fctzte Paffenberger und sorgte f\u00fcr die Ausstattung, die Kulissen und sonstige Requisiten. Die Sprachenlehrerin Dirlinger (1919 bis 1945 an der Schule t\u00e4tig) \u00fcbte die Texte ein. Die Handarbeitslehrerinnen und die Sch\u00fclerinnen und wohl auch ihre M\u00fctter n\u00e4hten die Kost\u00fcme. So entstand im Teamwork seit 1920 jede der Auff\u00fchrungen.<\/p>\n<div id=\"attachment_15671\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_aufnahme_franz_liszt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15671\" class=\"size-full wp-image-15671\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_aufnahme_franz_liszt.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"314\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_aufnahme_franz_liszt.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_aufnahme_franz_liszt-250x174.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15671\" class=\"wp-caption-text\">Photographie einer Auff\u00fchrung mit der Puppe &#8222;Klampferl&#8220; am Fl\u00fcgel, die unverkennbar Franz Liszt nachgebildet ist.<\/p><\/div>\n<p>Vor allem aber brachte Professor Carl Kittel seine F\u00e4higkeiten ein, der von 1920 bis 1939 an der Schule wirkte. Er war nicht nur ihr Musiklehrer, sondern auch langj\u00e4hriger Chorleiter im Festspielhaus. Er \u00fcbernahm den musikalischen Part der Auff\u00fchrungen, textete und machte die St\u00fccke f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen auff\u00fchrbar.<\/p>\n<div id=\"attachment_15728\" style=\"width: 457px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/karl_kittel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15728\" class=\"size-full wp-image-15728\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/karl_kittel.jpg\" alt=\"\" width=\"447\" height=\"616\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/karl_kittel.jpg 447w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/karl_kittel-327x450.jpg 327w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/karl_kittel-250x345.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15728\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Karl Kittel<\/p><\/div>\n<p>Daher hatten die Spiele nun nichts mehr mit &#8222;Kindertheater&#8220; zu tun. So bearbeitete und inszenierte Kittel neben vielen anderen St\u00fccken dann 1929 Szenen aus Siegfried Wagners M\u00e4rchenoper &#8222;An allem ist H\u00fctchen schuld&#8220;. Das Plakat der Auff\u00fchrung ist erhalten, die Inszenierung war wohl der H\u00f6hepunkt aller Puppenspiele an der Schule. Anlass f\u00fcr das Spektakel war der 60. Geburtstag von Siegfried Wagner im Jahr 1929, der pers\u00f6nlich mit seiner Familie das Spiel besuchte. 1934 und 1939 wurde das Theater zum Gedenken an den inzwischen verstorbenen Komponisten wiederholt.<\/p>\n<div id=\"attachment_15667\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_s_wagner_programm_1929.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-15667\" class=\"size-full wp-image-15667\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_s_wagner_programm_1929.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"783\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_s_wagner_programm_1929.jpg 600w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_s_wagner_programm_1929-345x450.jpg 345w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/puppenspiel_s_wagner_programm_1929-250x326.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-15667\" class=\"wp-caption-text\">Plakat f\u00fcr das Puppenspiel 1929 zu Ehren des 60. Geburtstags von Siegfried Wagner<\/p><\/div>\n<p>Die Presse war des Lobes voll. Das &#8222;Bayreuther Tagblatt&#8220; rezensierte am 11. Juni 1929:<br \/>\n<em><br \/>\nMan war begeistert von der Art, in der sich das Spiel vollzog, und mu\u00df restlos Anerkennung f\u00fcr die sch\u00f6ne k\u00fcnstlerische Gestaltung und Durchf\u00fchrung des Puppenspiels zollen.<\/em><\/p>\n<p>Am 17. Mai 1934 meldete das &#8222;Frankische Volk&#8220;:<\/p>\n<p><em>Alles wirkte so leicht und lebendig, da\u00df man als unbefangener Zuschauer kaum etwas von der Arbeit und den M\u00fchen ahnte, die n\u00f6tig waren, diesen reizende Auff\u00fchrung zustande zu bringen. Und doch steckte in dem kleinen Werk eine Unmenge geistiger und handwerklicher Arbeit. (&#8230;) Nicht zuletzt sei der Schauspielerinnen gedacht, die so geschickt die Puppen f\u00fchrten und den kleinen Wesen ihre klaren Stimmen verliehen. <\/em><\/p>\n<p>Im Dritten Reich missbrauchten die Nazis wie so vieles sogar das Puppentheater. Ein &#8222;Reichsinstitut f\u00fcr Puppenspiel&#8220; regte nun an, politische St\u00fccke aufzuf\u00fchren, in denen die &#8222;Feinde&#8220; des Reiches wie ein fetter &#8222;John Bull&#8220; oder ein hakennasiger &#8222;Jude&#8220; ihr Spiel treiben sollten. Puppen und St\u00fccke dieser Art finden sich zum Gl\u00fcck nicht im Archiv der Schule, man blieb beim hergebrachten liebensw\u00fcrdigen Repertoire.<\/p>\n<p>Nach 1945 endete dann die Tradition des Puppenspiels an der Schule. Zwar bericht der Jahresbericht 1949\/1950 noch, dass man am Faschingsdienstag ein St\u00fcck &#8222;Die Prinzessin und der Schweiner\u00fcssel&#8220; inszenierte, aber eine neue Auff\u00fchrungspraxis entwickelte sich nicht mehr.<\/p>\n<p>Alles w\u00e4re wohl sanft in Vergessenheit geraten, w\u00e4re nicht im Jahr 2005 bei Aufr\u00e4umarbeiten im Archiv ein alter brauner Lederkoffer ge\u00f6ffnet worden, der zur allgemeinen \u00dcberraschung fast 20 Puppen des Puppentheaters der Schule aus den Jahren von 1920 bis 1939 enthielt. Bei den meisten Puppen hatte sogar die Kost\u00fcme dem Zahn der Zeit bzw. der Motten getrotzt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Puppen-, Marionetten-, Handstab-, Drahtfiguren- und Fingerpuppentheater: Das war seit der Jahrhundertwende 1900 ein Trend der Zeit, denn man experimentierte mit neuen bzw. alten B\u00fchnenformen, und dazu geh\u00f6rte wieder das schon lange bekannte und noch von Goethe hoch gelobte Puppentheater. 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