{"id":13598,"date":"2000-02-23T02:00:49","date_gmt":"2000-02-23T01:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=13598"},"modified":"2017-08-06T20:19:52","modified_gmt":"2017-08-06T18:19:52","slug":"europa-fahrt-oder-taufrisch-und-baerenstark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/?p=13598","title":{"rendered":"Europa-Fahrt 1986: Taufrisch und b\u00e4renstark!"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_13607\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1996.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13607\" class=\"size-full wp-image-13607\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1996.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"479\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1996.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1996-141x150.jpg 141w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1996-423x450.jpg 423w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1996-250x266.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13607\" class=\"wp-caption-text\">Europa-Fahrer 1996 auf der Treppe des Parlaments in Stra\u00dfburg<\/p><\/div>\n<p>Wir schreiben das Jahr 1986. Seit mehr als zehn Jahren sitzen die Latein-Sch\u00fcler der 11. Klasse des RWG tr\u00fcbsinnig im Fr\u00fchjahr im Unterricht, w\u00e4hrend die &#8222;Franzosen&#8220; quietschmunter zu ihrem Sch\u00fcleraustausch nach Annecy aufbrechen. Frust breitet sich unter den Nicht-Franzosen aus. Ein unhaltbarer Zustand!<\/p>\n<p>Doch die Lage findet ihren Mann. Rainer Tri\u00dfl, Oberstudienrat und Reserve-Offizier, umtriebig und weitgereist, sinnt auf Abhilfe. Da er selbst schon viel in Frankreich herumgekommen ist und auch die Gedenkst\u00e4tten von Verdun besucht hat, reift der Plan zu einer &#8222;Verdunfahrt&#8220;, also an den schicksalhaften Gedenkort, der wie kein anderer Deutsche und Franzosen verbindet. Und so setzen sich die Sch\u00fcler der 11. Klasse im M\u00e4rz 1986 in Bewegung. Vorzugsweise ist es die noch eher kleine Gruppe der Lateiner, die bisher fahrtentechnisch das erw\u00e4hnte Nachsehen hatte und die nun den Bus entert. Sie geht auf eine Reise, die in f\u00fcnf Tagen nach Heidelberg, Stra\u00dfburg, Worms, Hambach, schlie\u00dflich nach Verdun und zur\u00fcck \u00fcber Ludwigshafen wieder nach Bayreuth f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Es war die Zeit des Aufbl\u00fchens des europ\u00e4ischen Gedankens, 1979 fanden ja bereits die ersten Wahlen zum Europ\u00e4ischen Parlament statt. Europa dehnte sich aus, immer mehr L\u00e4ndern wurden Mitglied der Gemeinschaft, die zudem auch einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Auch das anspruchsvolle und umfassende Reiseprogramm der ersten Fahrt 1986 deutete schon an, dass es sich nicht nur um eine etwas bel\u00e4chelte &#8222;Kriegsgr\u00e4berfahrt&#8220; f\u00fcr die Daheimgebliebenen handeln sollte. Rainer Tri\u00dfl dachte in gr\u00f6\u00dferen Dimensionen. Und schon 1988 f\u00fchrte die Reise, die nun &#8222;Europa <em>erfahren<\/em>&#8220; benamst wurde, von N\u00f6rdlingen nach Rainau an den Limes, dann \u00fcber Stuttgart, Karlsruhe und Ludwigsburg nach Stra\u00dfburg, dann weiter nach Hambach, Trier und hinein nach Luxemburg, \u00fcber L\u00fcttich nach Verdun, wieder zur Mosel und an den Rhein, und schlie\u00dflich zur\u00fcck \u00fcber Frankfurt nach Bayreuth. Zugleich wurden die Mittel der modernen Dokumentation ausgereizt: Ein Teilnehmer verewigte die Fahrt auf einem Video-Film.<\/p>\n<p>Bei der Fahrt 1990 dr\u00e4ngten dann schon 51 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in den Bus. Immer neue Orte und Sehensw\u00fcrdigkeiten wurden in das mehrt\u00e4gige Fahrten-Programm aufgenommen oder ersetzen bisherige Ziele oder Punkte, die in einem bestimmten Jahr nicht besucht werden konnten: K\u00f6ln, Xanten, Amsterdam, Br\u00fcssel, Hambach und Heidelberg erhielten das Pr\u00e4dikat des Sehenswerten.<\/p>\n<p>Die Europa-Fahrt 1991 markierte dann den ersten H\u00f6hepunkt der Reiset\u00e4tigkeit, und so ging es sp\u00e4ter weiter: Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aller 11. Klassen schoben sich nun in den Bus, und es mussten daher bereits zwei Fahrzeuge gechartert werden \u2013 wie es ja immer wieder merkw\u00fcrdig ist, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gern alles stehen und liegen lassen, sobald Ger\u00fcchte um eine Fahrt aufkommen und Unterrichtsausfall winkt &#8230; Die anderen Lehrer und F\u00e4cher besahen den Trubel nun bisweilen etwas neiderf\u00fcllt und waren manchmal froh, die L\u00fccken in ihren Reisegruppen nach Frankreich oder Italien schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Die Europa-Fahrt wurde wahrlich immer mehr zu einem Renner und sie blieb es, bis zum Ruhestand von Herrn Tri\u00dfl.<\/p>\n<div id=\"attachment_13610\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1997.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13610\" class=\"size-full wp-image-13610\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1997.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1997.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1997-150x104.jpg 150w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1997-300x209.jpg 300w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1997-250x174.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13610\" class=\"wp-caption-text\">Europa-Fahrer 1997 vor dem Atomium in Br\u00fcssel<\/p><\/div>\n<p>Wer nun aber heutzutage glaubt, es h\u00e4tte sich um Fahrten in einem unbeschwert-japanischen Stil gehandelt (&#8222;F\u00fcnf St\u00e4dte in f\u00fcnf Tagen&#8220;), der unterliegt einem schweren Irrtum. Der Reiseleiter selbst nannte seine Unternehmung eine &#8222;Studienreise&#8220;, die &#8222;wahrlich anstrengend&#8220; sei. Und da versprach er nicht zuviel \u2013 aber Reserveoffizier Tri\u00dfl, ge\u00fcbt in der Bewegung gro\u00dfer Menschenmassen, hatte die Sache im Griff.<\/p>\n<p>Jeder Fahrt ging eine monatelange generalstabsm\u00e4\u00dfige Planung voraus, die die Auswahl und Buchung der Jugendherbergen ebenso umschloss wie die Festlegung der &#8222;Aldi-Stopps&#8220;, bei denen die marschierende Truppe Verpflegung fassen konnte. An die Sch\u00fcler wurden schon im Unterricht Referate verteilt, um bereits im Vorfeld die sorgf\u00e4ltige Rekognostizierung des Gel\u00e4ndes sicherzustellen. Die Referate mussten dann an Ort und Stelle gehalten werden, unterwiesen \u00fcber den Ort und seine Bedeutung und bewirkten so eine Vertiefung des Geschauten. Der Reiseleiter w\u00fcrzte die Ausf\u00fchrungen mit eigenen Erl\u00e4uterungen und Anekdoten \u2013 und das gelang ihm immer wieder sehr gut, wie die Teilnehmer der Fahrt sp\u00e4ter bezeugten.<\/p>\n<p>Freilich verlangte das Fahrtenprogramm, das stets einen leichten Hang zum Monstr\u00f6sen hatte, den Teilnehmern alles ab. Die Busfahrer waren zu einem flotten Tempo angehalten, die Abfahrten mussten p\u00fcnktlich erfolgen. Versp\u00e4tungen sch\u00e4tzte der Reiseleiter nicht, wer zu sp\u00e4t kam, den bestraften die Taxigeb\u00fchren, da man wieder Anschluss finden musste. Einmal aus dem Bus ausgestiegen wurde vom Leiter ein rasanter &#8222;Euro-Schritt&#8220; vorgelegt (Marschtempo ca. 200), um alle Sehensw\u00fcrdigkeiten in der vorgegebenen Zeit erreichen zu k\u00f6nnen. &#8222;Taufrisch und b\u00e4renstark!&#8220;: mit diesem ber\u00fchmten Ausruf hielt der Anf\u00fchrer seine Kolonnen auf Trab. Der Spruch der Fremdenlegion (&#8222;Marschier oder stirb!&#8220;) d\u00fcrfte manchem Teilnehmer der Fahrt in die Beine gefahren sein.<\/p>\n<p>Erst am Abend, als man endlich in der Jugendherberge eingekehrt war, hatte die Truppe etwas Ruh&#8216; und man fand Mu\u00dfe, nun auch vom franz\u00f6sischen vin rouge oder dem kr\u00e4ftigen belgischen Trappisten-Bier zu kosten \u2013 Erfrischungen, die manchmal vielleicht ein klein wenig zu Kopf stiegen. Aber wer nun hoffte, am anderen Morgen noch etwas schlummern zu k\u00f6nnen, ging schweren Entt\u00e4uschungen entgegen. Gem\u00e4\u00df dem alten Troupier-Spruch, dass ein strammer Marsch die beste Medizin ist, trieb Reserveroffizier Tri\u00dfl die Mannschaften unerbittlich aus den warmen Betten. Die Busse wurden wieder bemannt, die Fahrt ging weiter: Der europ\u00e4ische Gedanke duldete kein Schw\u00e4cheln.<\/p>\n<p>So nimmt es nicht Wunder, dass einige Teilnehmer nach der Fahrtenwoche froh waren, wieder das heimelige Bayreuth erreicht zu haben. Aber: \u00dcberstandene Strapazen schwei\u00dfen bekanntlich zusammen. Noch heute erz\u00e4hlen sich die Veteraninnen und Veteranen von den Abenteuern der Fahrt (&#8222;Wei\u00dft du noch wie wir \u2026&#8220;), zeigen stolz ihre Narben vor und singen Heldenlieder von schier unglaublichen Taten. Ein Initiationsritus fand statt, wie die Ethnologen wissen: Hier reifte mancher J\u00fcngling zum Manne, hier entpuppte sich die Maid als Frau.<\/p>\n<p>Heute hat der europ\u00e4ische Gedanke viel von seiner Faszination eingeb\u00fc\u00dft. Krisen und Abspaltungen belasten die Union, vielen scheint das vereinte Europa eher eine Last denn eine Verhei\u00dfung zu sein. Die Teilnehmer der legend\u00e4ren Europa-Fahrt von Rainer Tri\u00dfl wissen es besser: Die Europ\u00e4er haben eine wechselvolle, aber gemeinsame Geschichte und sie sollten zusammenstehen. Vor allem aber: Europa ist eine Reise wert!<\/p>\n<div id=\"attachment_13612\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1998.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13612\" class=\"size-full wp-image-13612\" src=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1998.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1998.jpg 450w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1998-150x104.jpg 150w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1998-300x207.jpg 300w, https:\/\/www.rwg-bayreuth.de\/home\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/europafahrt1998-250x173.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-13612\" class=\"wp-caption-text\">Europa-Fahrer 1998: ersch\u00f6pft, m\u00fcde, zufrieden<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir schreiben das Jahr 1986. 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