Gründungsfeier

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Rede des Schulleiters Horst Anclam zur Begründung der Partnerschaft des RWG mit der Diakonie am 19. 7. 2006:

Es gibt 41 Sozialwissenschaftliche Gymnasien in Bayern, weniger als 10% der Schulen bieten also diese Ausbildungsrichtung an.
Sie wurden 1965 als "Sozialwissenschaftliches Gymnasium für Mädchen" eingeführt, um der höheren Mädchenbildung gerade auch im ländlichen Raum weiteren Auftrieb zu geben.

1976 wurde die Öffnung dieses Zweiges auch für Jungen erstritten, Emanzipation einmal mit umgekehrten Vorzeichen. Bereits im darauf folgenden Schuljahr wurde dieser Zweig auch an unserem Richard-Wagner-Gymnasium für Jungen geöffnet.

Es ist also schon etwas Besonderes, wenn man ein Sozialwissenschaftliches Gymnasium besucht und das RWG spielt innerhalb der SWGs eine hervorgehobene Rolle, weil es die Geschichte der höheren Mädchenbildung in besonderer Weise repräsentiert und auch dokumentiert.

Der Sozialwissenschaftliche Zweig ist in der gymnasialen Schullandschaft eine hochmoderne und anspruchsvolle Ausbildungsrichtung. Mit seinen politologischen, soziologischen und demographischen Schwerpunkten, mit Themen wie z. B. Familienpolitik, Altersentwicklung, soziale Gruppen und Schichten, soziale Systeme und Konflikte, politisches Systeme usw. beschäftigt sich das SWG mit den brandaktuellen Themen unserer modernen Gesellschaft.

Außerdem erfüllt es eine alte Forderung an die Schule, nämlich den Elfenbeinturm theoriebetonter Bildung zu verlassen. Mit ihren Besuchen bei sozialen Institutionen und bei Firmen, mit der sozialpraktischen Grundbildung und den sozialen Praktika von bis zu drei Wochen Dauer haben die Schülerinnen und Schüler einen intensiven Kontakt zur sozialen Wirklichkeit in unserer Stadt.

Hier erschließt sich auch die Bedeutung der Partnerschaft, die das Richard-Wagner-Gymnasium heute mit der Diakonie in Bayreuth eingeht.
Die Diakonie ist mit ihren vielfältigen Ausprägungen und Verästelungen, mit ihrer schieren Größe, mit ihrer Geschichte und mit ihrer religiösen Orientierung das ideale Anschauungsobjekt für uns.
Informationsbesuche in den verschiedenen Einrichtungen, Vorträge von Spezialisten der Diakonie, Einblicke in die Arbeit mit alten und behinderten Menschen, Praktikumsplätze – das ist in groben Zügen, was wir uns von der Zusammenarbeit erhoffen.

Frau Finzel, die sich um die neue Partnerschaft besonders verdient gemacht hat, sprach vor kurzem von einem Win-Win-Verhältnis. Wir hoffen, dass auch wir den Menschen im Bereich der Diakonie Einiges geben können.

Vielfältige Situationen von Mitarbeit und Betreuung sind denkbar. Die Ausgestaltung im Einzelnen wird sich mit der Zeit ergeben – wir haben ja auch schon mit unserer früheren Partnerschaft mit dem Seniorenstift am Glasenweiher eine gewisse Erfahrung.
Und auch heute, hier im Matthias-Claudius-Haus, zeigen die Ausstellung von Arbeiten unserer Schüler aus dem Kunstunterricht und das Mozartquartett unserer Musikabteilung, wie das RWG z. B. zur Erbauung der Menschen in Einrichtungen der Diakonie beitragen kann.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei denen, die zum Zustandekommen dieser Partnerschaft beigetragen haben:

  • Bei den Verantwortlichen der Diakonie, besonders bei Frau Finzel, und bei den Mitgliedern der Fachschaft Sozialkunde. Und ich bedanke mich auch bei denen, die die Gestaltung der heutigen Feier ermöglicht haben:
  • Herrn Diakon May als Hausleiter des Matthias-Claudius-Hauses;
  • bei unseren beiden Kunsterziehern Frau StRin Gerdes und Herrn OStR Just, die die Ausstellung organisiert und Einladung, Programm und Urkunde gestaltet haben:
  • und bei OStR Koppitz und seinen Schülern für die musikalische Gestaltung.