Schulleben

Stil und Anstand gehören dazu

Gutes Benehmen ist wichtig.

Gutes Benehmen ist wichtig.

Genauso wichtig wie ein gutes Gericht ist richtiges Benehmen bei Tisch. Für den Kochworkshop der der 8. Klassen gab es einen Blitz-Benimm-Kurs.

Frau Hupe, die Kursleiterin, hatte dazu jemand eingeladen, der es wissen musste: Martina Groh-Walter, die Besitzerin des Hotel-Restaurants „Lohmühle“. Sie hat es jeden Tag mit Gästen aller Art zu tun und weiß es ganz genau, was sich gehört und was nicht.

Dass die wichtig sei, gab der stellvertretende Schulleiter Mathias Weber bei der Begrüßung zu bedenken, als er daran erinnerte, dass das Abitur, das alle anstrebten, eine „Reifeprüfung“ sei, eine reife Persönlichkeit sich aber auch durch Benimm und Etikette auszeichne.

Marina Groh-Walter zeigte, wie es geht.

Marina Groh-Walter zeigte, wie es geht.

Martina Groh-Walter hatte ein lebenspraktisches Beispiel in den Gruppenraum neben der Schulküche mitgebracht. Die Oma lädt zum 80. Geburtstag ins Restaurant. Sie als Restaurant-Chefin hatte schon den Tisch nach allen Regeln der Kunst eingedeckt, und dann ging es los:

Natürlich beginnt das Essen mit dem Hinsetzen. Hier sind nach wie vor die Herren gefragt. Sie helfen beim Ablegen und rücken den Damen die Stühle. Erst setzen sich die Damen, dann die Herren und sie sitzen rechts. Der Gastgeber ist oft schon vorher gefragt: Er begrüßt noch vor dem Hinsetzen, macht Smalltalk, bevor es losgeht.

Dann ist die Bedienung gefragt: Der Gastgeber bekommt zuerst, dann gilt Alter und Damen zuerst, die Jugend muss warten. So ist es auch bei den Gerichten. Gibt es Sekt, darf natürlich geprostet werden, aber das geht auch dezent und mit einer bloßen Geste. Ein Restaurant ist keine Trinkstube, und man ist ja nicht allein.

Wie geht das mit der Serviette...?

Wie geht das mit der Serviette…?

Kräuterbutter mit Baguette? Das Weißbrot wird stückchenweise mit Butter bestrichen, natürlich auf dem Teller, nicht in der Hand. Ach je, wie machen wir es mit der Serviette? Die große Stoffserviette kommt aufs Schoß und bleibt einmal gefaltet mit der offenen Seite zum Körper. So kann man sich dezent den Mund wischen, bevor man am Weinglas nippt: Wie sehen denn Lippenspuren am feinen Kristall aus?

Hilfe, welches Besteck soll ich denn nehmen? Ist ein festes Menu geplant, macht es der Service dem Gast eigentlich einfach: Es ist alles da, was man für die einzelnen Gänge braucht und der Gast arbeitet sich immer von außen nach innen durch die Löffel-, Gabel- und Messersammlung.

Ein Schlückchen Wein gefällig? Der Gastgeber darf kosten, ob er konveniert. Erst wird mit den Augen geprüft – ist auch kein Korken im Glas? Dann wird das Weinglas etwas gekippt: Läuft der Wein etwas ölig zurück, ist das ein Qualitätsmerkmal. Dann wird geschnuppert: Tief mit der Nase ins Glas – so merkt man das Bouquet. Dann wird gekostet. Ein „langer Abgang“ ist Zeichen von Qualität.

Schließlich kommt das Hauptgericht: Ob Fisch oder Fleisch oder beides – Messer und Gabel sind selbstverständlich, klar dass Schmatzen in unserem Kulturkreis nichts verloren hat, aber wie ist es mit unserem liebsten Begleiter, dem Handy? Martina Groh-Walter zeigte sich empfindlich: Bei Tisch zu telefonieren oder gar zu spielen sei unmöglich. „Wer das tut, signalisiert dem Gastgeber, dass er sich langweilt. Dann soll er lieber gar nicht kommen“, sagte sie. Zur Tischkonversation können alle beitragen, man müsse sich halt Mühe geben.

Es hat geschmeckt – abräumen! Natürlich gehört die Stoffserviette nicht in die Restbratensoße. Essensreste kommen an den Tellerrand, dann kann sie der Service unauffällig auf die Seite stupsen, damit die Teller im Arm gestapelt werden können. Parallele Bestecke auf vier Uhr signalieren „fertig“, gekreuzte Bestecke, dass man nur ein Esspäuschen macht. Das Service-Personal ist auf solche feinen Signale geschult und weiß, was es zu tun hat.

So sieht ein perfekt gedeckter Tisch aus.

So sieht ein perfekt gedeckter Tisch aus.

Zahlen! In guten Restaurants wird die Rechnung in einem Mäppchen serviert, in das man Geld oder Kreditkarte legt. Das Restgeld gibt es auf die gleiche Weise zurück. Trinkgeld? Ja, bitte, das Personal braucht es als Ergänzung des Lohnes. Und wie viel? Etwa 10 Prozent der Rechnung, also fünf Euro bei einer Rechung von 50 – bei höheren Rechnungen kann der Prozentsatz auch angemessen weniger sein. Im richtigen Restaurant bedarf es auch beim Zahlen des Taktes und Fingerspitzengefühls.