Schulleben

Nachdenkliche Sommerfrische

Die feine Gesellschaft trifft sich auf dem Lande - und weiß nicht, was sie tut.

Die feine Gesellschaft trifft sich auf dem Lande – und weiß nicht, was sie tut.

Eigentlich fängt alles ganz harmlos an: Endlich kann es in die Sommerfrische gehen. Die Vorbereitungen für die schönsten Wochen des Jahres nehmen die Familien Leonardo und Filippo gänzlich gefangen und auf der Bühne herrscht ein schneller Wechsel der Schauplätze. Die Augen des Publikums werden von den wunderschönen, opulenten Kostümen der Schauspieler gefangen genommen, aber wer zuhört, wird schnell stutzig: Ist das wirklich das Venedig des 18. Jahrhunderts, in dem Goldoni lebte, oder ist es unsere Zeit, um die es geht: Gesprochen wird nur über Nebensächlichkeiten: Wer hat die neueste Mode, wer fährt mit wem, muss man nicht auch in die Ferien, wenn alle anderen fahren, oder ist man kompromittiert, wenn man zu Hause bleibt?

Schöne Damen können auch giftig sein.

Schöne Damen können auch giftig sein.

Die schönen Damen sind auf eine liebenswürdige Art nett mit Bussi links und Bussi rechts und wünschen sich doch gegenseitig die Pest an den Hals – oder doch wenigstens dass die andere keinen Besseren abbekommt, als man sich selbst wünscht. Derweilen ordnen die Herren die Finanzen: Bestellt werden Trüffel und Champagner, doch bezahlt wird später oder gar nicht. Wozu gibt es Schubladen, wenn nicht für Rechnungen, Mahnungen und Vorladungen?

Und genauso leichtfertig wie mit dem Bezahlen gehen die reiselustigen Herrschaften mit der Frage um, wer wen zum Traualtar führen will und soll. Da kann es schon einmal sein, dass jemand einen Antrag annimmt aus Unwissenheit um das Gefühl der echten Liebe. Oder dass man erhofft, durch die eheliche Bindung aus den eigenen Geldnöten herauszukommen.

Kartenspiel sind ein angenehmer Zeitvertreib - und erspart das Nachdenken.

Kartenspiel sind ein angenehmer Zeitvertreib
– und erspart das Nachdenken.

So fährt man in die Ferien. Am Urlaubsort auf dem Lande wird munter mit Geld um sich geworfen, gefeiert und sorglos Karten gespielt und alles könnte wunderbar sein, käme nicht die echte Liebe dazwischen: Die hübsche Giacinta, die sich schon Lorenz versprochen hat, verliebt sich doch tatsächlich in den jungen Giulio, der auch ihr seine Liebe gesteht. Was tun? Man könnte zu seinen Gefühlen stehen, doch das hieße anecken. Und da sind auch noch die gesellschaftlichen Konventionen: Ein einmal leichtfertig gegebenes Jawort will man nicht einfach zurücknehmen, und so stehen am Ende Verzicht und notdürftige Heiratsarrangements. Aber man muss auch hier genau hinsehen, denn Goldoni tut, was auch in unserer Zeit oft passiert: Fragezeichen werden nicht zugelassen, weil unsere Gute-Laune-Spass-Kultur alles andere erstickt: Im Stück triumphieren am Ende die reiche und selbstbewusste Sabina mit dem galanten Schmarotzer Ferdinando. Ihnen geht es nur um Spaß und Geld, und damit kann der Vorhang nach einem scheinbar triumphalen Finale fallen.

Der Schlussapplaus war wohlverdient.

Der Schlussapplaus war wohlverdient.

Die viel bekatschte Aufführung der Q11 fasste drei Goldoni-Komödien zusammen und glänzte in der Bearbeitung durch frechen Wortwitz und eine unnachahmliche Situationskomik.

Die Aufführung hatte Angelika-Guder-Späth eingerichtet, unterstützt von Heinz Petri, der längst zum altväterlichen Freund der RWG-Theatergruppen geworden ist.

Es spielten:

Marie Grieshammer (Filippo)
Viktoria Späth, Kristin Maisel (Giacinta, Filippos Tochter)
Leonard Babl (Leonardo)
Hannah Ponsel, Kathrin Weidmann (Vittoria, Leonardos Schwester)
Linda Trinh, Lauren Schumann (Giulio)
Caroline Kotrin (Sabina)
Nicolas Niederalt (Ferdinando)
Lotte Neubauer (Fulgenzio)
Annika Lehner (Brigada, Giacintas Zofe)
Selina Weinert (Paolo, Leonardos Diener)
Cosima Dostler (Cecco, Leonardos Diener)

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