Schulleben

Witze am laufenden Band

Große Konfusion im Plüsch-Hotel: Wer ist denn nun der Verbrecher?

Große Konfusion im Plüsch-Hotel: Wer ist denn nun
der Verbrecher?

Aufs Äußerste strapazierte die Theatergruppe der 10. Klasse und der Q11 die Lachmuskeln ihres Publikums: „Unter Bademänteln – Eine Posse in Plüschpantoffeln“ hieß ihre Aufführung in der Aula.

Komik, so lernt man im Unterricht, speist sich aus verschiedenen Quellen und kennt die verschiedensten Erscheinungsformen.

Sie lebt zunächst von der enttäuschten Erwartung: Ein Wellness-Hotel, der Schauplatz des Gesehenes, stellt man sich anders vor als von vorn bis hinten in ein plüschiges Rosa getaucht, ein eindeutig zweideutiges Ambiente, welches den Hintergrund für das grotesk-komische Geschehen ablieferte.

Komik hat viel mit dem Charakter der Figuren zu tun: Die Schauspieler führten, perfekt gespielt, ein aberwitziges Panorama an skurrilen Charakteren vor: Vom schwulen Hotelchef bis zur überdrehten Mafia-Mama und ihrem etwas schwächlichen Söhnchen, von der leidenden Ehefrau bis zur grotesk aufgemachten Gräfin, vom überdrehten Kommissar bis zur aufreizenden Schönen war alles vertreten.

Wenn die Frau ihrem MAnn nicht mehr traut, ist das nur komisch im Zerrspiegel der Groteske

Wenn die Frau ihrem Mann nicht mehr traut,
ist das nur komisch im Zerrspiegel der Groteske

Komik, so heißt es im Lehrbuch, ergibt sich außerdem aus der Situation. Wenn sich Verwechslungen ergeben oder das Kekstablett auf den Boden fällt, dann ist das einfach witzig.

Komik setzt aber den überlegenen Zuschauer voraus: Die dargestellte Welt ist mit ihren Konflikten und Problemen schon irgendwo die seine: So manch ein Mann träumt vielleicht von einem Tête-à-Tête mit der hübschen Kleinen aus dem Wellness-Bereich, manch eine Frau vom teueren Collier. Die grotesk überzogene Darstellung der Schauspieler verhindert aber jede Identifikation, deshalb verlacht der Zuschauer die Konflikte, die es eigentlich durchaus in sich hatten: Wenn eine Frau eine andere Identität annimmt, weil sie ihrem Mann nicht mehr traut, dann ist das nur komisch, wenn der Zuschauer dies in skurrilen Außenseiterfiguren vorgespielt bekommt und im Zerrspiegel der Übertreibung sieht, welche das Bühnengeschehen vor ihm entfaltet.

Weil der Zuschauer sich überlegen fühlt, dürfen auch gesellschaftliche Tabus gebrochen werden. Mehr als ein Satz des Stückes war politisch überhaupt nicht korrekt, sondern abwechselnd männer- und frauenfeindlich und manchmal auch ein wenig zotig, doch die Lacher im Publikum verrieten einmal da und einmal dort klammheimliche Zustimmung, die man laut nie zu sagen wagen würde. Das darf nur die Bühne. Die sprachliche Komik, der Witz, war schon immer ein Schutzschild. Im Falle dieser Aufführung sogar ein sehr guter, denn Witze gab es am laufenden Band.

Ein herzliches Dankeschön deshalb an alle Mitwirkenden für den höchst amüsanten Abend und an Frau Guder-Späth für die gekonnte Regie.

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