Schulleben

‚LdL‘ – Teil 7: Reisen um die Welt – trotz Lockdown?!

Reisewarnungen und Sicherheitshinweise angesichts der Corona-Pandemie prägen derzeit die Nachrichten – man sollte meinen, an ein Verreisen ist aktuell überhaupt nicht zu denken… – doch weit gefehlt! Weshalb wir uns auch während der Zeit des Lockdowns auf eine ganz besondere Reise begeben konnten, gibt es nun hier in Teil 7 unserer Reihe ‚Lernen [d]trotz Lockdown‘ zu erfahren:

Seit einiger Zeit – genau genommen seit ca. einer Woche vor Weihnachten (mit kurzen Ausnahmen) – befinden sich unsere Schüler/innen der Klassen 5-10 nun im Distanzunterricht. Seitdem sind mehr als 13 volle Wochen Schule vergangen – nicht mit eingerechnet dabei sogar die einfach so gestrichenen (!) Faschingsferien; dies macht in etwa 80 Schultage, die bereits daheim im Homeschooling verbracht wurden, eine ganz schön lange Zeit doch eigentlich, oder? Was in diesen knapp drei Monaten nicht alles zu erledigen gewesen ist und wie schnell die Zeit trotzdem auf einmal verstrichen ist…

Exakt eine solche Zeitspanne hatte auch Phileas Fogg, der Protagonist von Jules Vernes Romanklassiker „In 80 Tagen um die Welt“, zur Verfügung, um einmal den gesamten Globus zu bereisen: Den Engländer treibt eine Wette um die Welt, indem er sich nach seinem Aufbruch in London genau 80 Tage (und keinen Tag länger!) auf eine Weltreise begibt, deren Ausgang bis zum Ende des Buches ungewiss bleibt. Es wird die Zeit durch unvorhergesehene Ereignisse immer knapper…schließlich verdächtigt man den englischen Gentleman sogar, die Bank von England ausgeraubt zu haben und er wird daher von seinem Landsmann Mr. Fix, einem Kriminalinspektor, über sämtliche Kontinente hinweg gejagt!

Gespannt verfolgten die Schüler/innen der Klasse 5c im Rahmen der gemeinsamen Klassenlektüre innerhalb des Deutschunterrichts die Reise des Herrn Fogg und fieberten bis zum letzten Kapitel dem Romanende entgegen, das den Ausgang der Wette brachte. Die Kinder waren dabei nicht nur mit dem Lesen beschäftigt, sondern hatten auch allerhand ‚rund um den Roman‘ zu erledigen, beispielsweise Quizaufgaben zu geographischen Fragestellungen, zum Thema Zeitverschiebung etc. zu bearbeiten oder aber passende multiple choice-Fragen zu lösen. Digital im Homeschooling wurde per Lernplattform auch das beste Buchcover gekürt oder aber sogar selbst ein individuelles gestaltet u.v.m.

Während der einzelnen Kapitel erfährt der Leser allerhand über ‚andere Länder, andere Sitten‘, was nicht zuletzt wiederholt auch Herr Foggs Begleiter, sein teils etwas tollpatschig wirkender französischer Diener Passepartout, am eigenen Leib erfahren muss: So betritt er fälschlicherweise einen indischen Tempel nicht barfüßig, sondern mit Schuhen, wird von Inspektor Fix in einer Taverne sogar gleichzeitig betrunken und berauscht gemacht, sodass er fast den Anschluss an seine Reisegruppe verpasst. Schließlich meistert er doch jedes Hindernis, selbst wenn er sich dazu kurzzeitig als Artist in einem Zirkus verdingen muss, um seine Weiterreise finanzieren zu können:

Und so findet man sich innerhalb des Romangeschehens außerdem mitgenommen auf eine Art Zeitreise durch die Welt im Jahre 1872: Über Europa geht es nach Asien in den Orient, der Weg führt nach Indien, China, Singapur, Japan…

Danach folgt auf den Seeweg nach Amerika die Durchquerung der unendlichen Weiten des amerikanischen Kontinents, um letztlich erneut durch den Atlantik zurück zum Ausgangspunkt (England) zu gelangen.
Zu dieser Zeit zeigte sich die Infrastruktur nämlich noch weitaus weniger ausgeprägt, als technisiertes Fortbewegungsmittel dienten ausschließlich Zug, (Dampf)schiff und neben der Variante ‚hoch zu Ross‘ manchmal sogar der Elefant! –

kein Wunder also, dass der Reisende einige Zeit länger unterwegs sein musste, um einmal die Erde zu umrunden, und kein Vergleich zur heutigen fortschrittlichen Globalisierung, deren Schattenseiten wir gerade in der derzeitigen Pandemie jedoch auch erleben müssen…

Dass durch die Erschließung von neuen Handelswegen die Welt stärker ‚zusammengewachsen‘ und miteinander ‚vernetzt‘ ist, konnten die Schüler/innen am Beispiel des Suezkanals nachvollziehen: Just zu der Zeit, als die Kinder die Reiseroute der Romanfigur von London – Brindisi – Suez auf der ausgedruckten Weltkarte im Heft einzeichneten, wurde in den Nachrichten von einem auf Grund gelaufenen Riesenfrachter in eben diesem Kanal berichtet; somit ließ sich anschaulich erklären, welche zeitliche Einbußen der ‚Umweg‘ nach Indien über die Südspitze von Afrika damals wie heute mit sich brachte!

https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-840923.html

Doch wird dem Romanhelden bei Jules Verne am Ende die Ankunft auch wirklich rechtzeitig gelingen?

(…) Als der Gentleman im Bahnhof von London eintraf, zeigten sämtliche Londoner Uhren acht Uhr fünfzig an. Phileas Fogg, nachdem er die ganze Welt umrundet hatte, kam fünf Minuten zu spät. Er hatte die Wette verloren (…)

Im letztem Kapitel kommt es dennoch zu einer überraschenden Wende, die erneut mit dem Thema Zeit zu tun hat… aber mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden… wer sich für den Ausgang des Romans interessiert, kann entweder das Buch selbst lesen (im Übrigen ebenfalls in der französischen Originalversion ein echter Klassiker!) oder aber einen Blick in diese sehr kurzweilig gestaltete Theaterfassung werfen:

Viel Spaß beim Anschauen – und gute Reise! 🙂

S. Track