Berlinfahrt – ein Bericht

Eine der Studienfahrten des Fachs Geschichte führt in die Bundehauptstadt

Eine der Studienfahrten des Fachs Geschichte führt in die Bundehauptstadt

Berlin – die Mauer fällt ein zweites Mal
Studienfahrt der Klassen 10a, 10b und 10c in die Bundeshauptstadt Berlin

Schon bewährt und doch jedes Schuljahr neu geplant, konzipiert und erlebt ist die Studienfahrt, welche die 10. Klassen im Rahmen des Geschichts- und Sozialkundeunterrichts jedes Jahr gegen Ende des Schuljahrs zur Bundeshauptstadt unternehmen. Im Schuljahr 2011/12 fand diese im Zeitraum vom 16. bis 20 Juli 2012 unter bewährter Leitung der Lehrkräfte U. Aschenbrenner, R. Böhner, A. Gerdes, M. Herrmann-Meier, Ch. Just und Ch. Wenger statt.

Da es sich dieses Mal anbot, aufgrund der niedrigen Klassenstärken nur zwei Reisegruppen zu bilden, wurden die drei 10. Klassen einfach gut durchmischt und auf die beiden Lehrerteams aufgeteilt.

Die Gruppe Aschenbrenner – Böhner – Herrmann-Meier startete auf eine Fahrt, welche sich auf Spurensuche weltkulturellen Erbes begab. Schon auf der Hinreise wurde das erste Weltkulturerbe angesteuert: das Bauhaus Dessau, welches 1925 bis 1926 nach Plänen von Walter Gropius als Schulgebäude für die Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus entstand. Das Besondere am ganzen Komplex ist neben der damals neuartigen funktionalen Trennung durch einzelne, zu einem Organismus gefügte Einzelbaukörper die völlig in Glas aufgelöste Wand des Werkstättentraktes, die für große Aufregung in der damaligen Zeit sorgte. Die revolutionäre Stahlskelettbauweise – tragende Stahlelemente mit Ziegelausfachung bedeckt von einem Flachdach – ermöglichte den Verzicht auf statische Verstärkung der Gebäudeecken. Diese „offenen Ecken“ wurden ersetzt durch kantenumgreifende Verglasung sowie Balkone und vermittelten so einen Eindruck von Leichtigkeit. Auch das Schloss Sanssouci („ohne Sorge“) in Potsdam, welches die Truppe am nächsten Tag besuchte, ist ein ausgewiesenes UNESCO-Welterbe. Vieles konnten die Bayreuther Schüler dort sehen, was ihnen irgendwie bekannt vorkam … Hatte doch Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth etliche Künstler des Bruders Friedrich II. aus Potsdam nach Oberfranken geholt, um ihr eigene Klein-Versailles in der Eremitage von diesen gestalten zu lassen.

Das dritte Weltkulturerbe war die Parkanlage Wörlitz. Von 1764 bis kurz nach 1800 angelegt, ist der 112 Hektar große Wörlitzer Garten nicht nur einer der größten, sondern auch einer der frühesten und bedeutendsten Landschaftsparks Kontinentaleuropas.

Von besonderer Bedeutung kam auf der Studienfahrt jedoch den Erinnerungs- und Mahn-Stätten der jüngeren deutschen Vergangenheit zu: Besonders eindringlich erfuhren die Schüler im Rahmen einer Führung die „Topographie des Terrors“, so der Name einer neueren Dokumentationszentrums in Berlin. Auf dem heutigen Gelände der „Topographie des Terrors”, neben dem Martin-Gropius-Bau und unweit des Potsdamer Platzes, befanden sich von 1933 bis 1945 die wichtigsten Zentralen des nationalsozialistischen Terrors: das Geheime Staatspolizeiamt mit eigenem „Hausgefängnis”, die Reichsführung-SS und während des Zweiten Weltkriegs auch das Reichssicherheits¬hauptamt. Als „Ort der Täter” informiert die Ausstellung am authentischen Ort über die Zentralen des SS- und Polizeistaats und macht die europäische Dimension der NS-Schreckensherrschaft sichtbar.
Auch die zweite Diktatur auf deutschem Boden wurde an einer Gedenkstätte mahnend in Erinnerung gebracht: Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besteht aus den Räumlichkeiten der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR, die von 1951 bis 1989 in Weißensee bzw. Hohenschönhausen in Betrieb war. Dort wurden vor allem politische Gefangene inhaftiert und physisch und psychisch gefoltert. Heute existiert an gleicher Stelle eine Gedenkstätte als Erinnerungsort für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft in Deutschland.

Das Vergehen an Abermillionen von jüdischen Opfern machte das Holocaust-Mahnmal in der Nähe des Deutschen Bundestages gegenwärtig, eine Führung durch das jüdische Museum konnte dagegen die bedeutende Rolle der deutschen jüdischen Bevölkerung und ihre Verdienste für die deutsche Kultur, Wissenschaft und Politik der vergangenen Jahrhunderte bis Jahrtausende deutlich werden lassen. Doch auch hier im größten jüdischen Museum Europas war der Holocaust allgegenwärtig durch die außergewöhnliche zickzackförmige Architektur (von Daniel Libeskind), welche das ganze Gebäude durchzog und die „Achse des Holocaust“ beständig allgegenwärtig sein ließ.

Eine Führung durch den Deutschen Bundestag mit einer äußerst launigen Information durch einen Referenten, eine ausgiebige Stadtrundfahrt, welche alle Highlights Berlins offenbarte, sowie ein spannender Abendgang durch alte, neue und neueste Szeneviertel in Berlin haben neben dem phantastischen Musical von Udo Lindenberg „Hinter´m Horizont“ die Eindrücke überquellen lassen.
Was wir auf der Berlinrundfahrt noch ausgiebig bewundern konnten, nämlich die weltbekannte und weltweit längste dauerhafte Open-Air-Galerie, die „East Side Gallery“ in Berlin-Friedrichshain, ist mittlerweile zum Teil schon wieder abgebrochen. Wegen städtebaulichen Maßnahmen ist sie inzwischen nicht mehr durchgehend erhalten und anstelle der Originale von 1990 existieren heute nur noch die im Jahr 2009 entstandenen Repliken Im Frühjahr 1990, nach der Öffnung der Berliner Mauer, wurde dieses längste erhaltene Teilstück der Mauer von 118 Künstlern aus 21 Ländern auf einer Länge von 1316 Metern bemalt. Die Künstler kommentierten in gut einhundert Gemälden auf der ehemaligen Ostseite der Mauer mit den unterschiedlichsten künstlerischen Mitteln die politischen Veränderungen der Jahre 1989/90. In einem Blog rufen die Künstler zum sofortigen Stopp der Zerstörung dieses bedeutenden Denkmals und Mahnmals von nationaler Bedeutung auf, solange dies überhaupt noch möglich ist. Denn damit fällt die Mauer nun ein zweites Mal – wir konnten dieses Kunstwerk 2012 noch als ein Ganzes sehen!

U. Aschenbrenner