Schulleben

Faust – doppelt oder nichts

Gott und Mephisto wetten um die Seelen der Menschen.

Was wäre, wenn Mephisto und sein weiblicher Gegenpart Femisto mit Gott zum zweiten Mal in der heutigen Zeit mit den modernen technischen Möglichkeiten eine Wette um die menschliche Seele abschließen würden und wer würde gewinnen, wenn die Wettopfer nicht ein hochdotierter Wissenschaftler, sondern drei ganz normale Schüler kurz vor dem Abitur wären? Diese Frage ist Grundlage für die Komödie „Faust – Doppelt oder nichts“, die von der Theatergruppe der Klassen 9a/c/d/e gespielt wurde.

Wenn der Teufel die Hand im Spiel hat, geht es schnell durcheinander.

Die Seelen, die es für den Teufel zu gewinnen gilt, gehören Christina, einer einsamen, von ihren Mitschülern missachteten Streberin mit einer überambitionierten Mutter; Benni, der sein Dasein als der Fußabtreter der Klassenschönheit Sarah fristet, verachtet von Sarahs weiblicher Gefolgschaft und seiner Familie, und Joe, dem verpeilten Chiller aus der letzten Reihe, dessen Leben sich nur um Proteinshakes und das Fitnessstudio dreht und der gar nicht merkt, dass seine Oma, die sich liebevoll um ihn sorgt, völlig pleite ist. Allen dreien erscheint in einer Mathematikstunde der über die Unfähigkeit ihrer Schüler entnervten Lehrerin Frau Dr. Schubert Femisto und bietet den dreien an, ihnen Fähigkeiten zu geben, mit denen sie zu Anerkennung, Beliebtheit und Intelligenz gelangen können. Wenn sie die Kräfte nach dem Abiball zurückgeben wollen, so fallen sie in ihr altes Leben zurück, ansonsten müssen sie dem Teufel in er Hölle in alle Ewigkeit dienen.

Der Teufel hält auf Ordnung: Es muss ein richtiger Pakt her.

Alle drei wollen die neuen Identitäten, die die Hexe ihnen mittels eines Trankes verabreicht und die ihnen Femisto einsuggeriert hat, testen. Christina liegen nun alle Klassenkameraden zu Füßen und bewundern sie, Benni kann sich für die Demütigungen Sarahs und seiner Familie rächen und Joe brilliert auf einmal in allen Fächern. Klar sind die drei von den teuflischen Gaben zunächst begeistert. Doch ausgerechnet Joe merkt, weil er mit der „himmlischen“ Gabe der Intelligenz versehen wurde, dass das Wirken des Teufels nur „Schall und Rauch“ ist und humanen Prinzipien und Werten widerspricht. So ist er es, der sich beim Abiball gegen die neugewonnenen „teuflischen“ Fähigkeiten entscheidet, während Christina und Benni der Versuchung des Teufels erliegen und Mephisto ihren Handschlag geben.

Die Aufführung spielte durch, wie sich die Faust-Geschichte heute zutragen könnte.

Erneut haben Mephisto und sein weiblicher Mitspieler die Wette um die Seelen der Menschen knapp verloren. Gott gibt Mephisto erneut Revanche – aller guten Dinge sind drei -, doch mit einem Blick ins Publikum fragt ihn Mephisto: “Wer soll es dieses Mal sein?“

Im Stück wechseln sich moderne Alltagssprache mit Passagen aus Goethes „Faust“ thematisch und sprachlich ineinandergreifend ab, was den Text klassisch zeitnah macht. Die Schauspieler schafften diesen Übergang trotz der großen Textfülle spielerisch mit Leichtigkeit und Tiefgang zugleich, was von dem Publikum an allen drei Aufführungstagen sehr honoriert wurde.

Die Regie führte Angelika Guder-Späth.