Schulleben

„Erschallet, Trompeten…“

Alt und Jung, ehemalige und derzeitige Schüler und Schülerinnen trafen sich in der Stadtkirche zum Jubiläumsgottesdienst.

Mit einem festlichen Gottesdienst in der Stadtkirche eröffnete das Richard-Wagner-Gymnasium die Feierlichkeiten zum 150-jährigen Schuljubiläum.

Es war schön zu sehen, dass sich unter den Gästen im altehrwürdigen Gotteshaus, das aufgrund der räumlichen Nähe zum RWG irgendwie ein stückweit unsere Schule ist, auch viele Ehemalige befanden. Alt und Jung bildeten so eine festliche Gemeinde. Sie wurden vom Glockenläuten der Stadtkirche zur Ruhe und Besinnung gemahnt, bevor der Chor unser Schule den Gottesdienst mit der Königinnen-Kantate Johann Sebastian Bachs eröffnete: „Tönet, ihr Pauken / Erschallet Trompeten, / Klingende Saiten / Erfüllet die Luft!“, erklang der festliche Auftakt für die Jubiläumsfeier, die ja wahrlich ein Grund zur Freude ist.

Der klare, helle des Gesang des Chores (geleitet von Florian Mehling) erfüllte die Stadtkirche.

Den Festgottesdienst hielt Kirchenrat Gerald Scheil, lange Jahre Religionslehrer am RWG. Sein Predigttext war die aus dem Lukasevangelium bekannte Geschichte vom Pharisäer und dem Zöllner, der, so will es die biblische Erzählung, überraschenderweise Gnade in den Augen Jesu findet, obwohl sein Leben gar nicht danach ist.

In den Augen Gottes als sündhafte Existenz Gnade zu finden, war ein wichtiges Thema der Predigt, die Kirchenrat Scheil hielt. Wie es sich für einen Schulgottesdienst gehört, ging er von der Frage nach der Bedeutung der Bildung aus und gab eine zunächst verblüffende Antwort: Bildung sei das, was übrig bleibt, wenn man alles vergisst, was man in der Schule gelernt hat. So finde man zum Kern des Lebens, dem eigentlich Wichtigen wie Charakter und die Bestimmtheit der eigenen Existenz. Eine solche Art der Bildung sei eine Geisteshaltung, aber auch nicht ungefährlich: Im sokratischen „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, mit dem der antike Philosoph seine Athener Gesellschaft schockierte und in Frage stellte, schwinge auch Eitelkeit mit, die eine gefährliche Selbstüberhebung bedeute. Zwar träfen sich Religion und Bildung dort, wo beide sich mit den Grundfragen der menschlichen Existenz auseinandersetzten, aber im Angesichte Gottes helfe keine menschliche Eitelkeit weiter, sondern nur – und das zeige auch der Predigttext – der Glaube an die Gnade des Heiligen Geistes.

Wer wollte, konnte sie gleich in den Kirchenliedern und vor allem in den ergreifenden Chorgesängen unserer Schüler erleben: Sonja Poormans „Gloria“ und der Gesang „Die Himmel erzählen“ aus Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ zeigen, dass sich die Gnade Gottes vielfältig offenbaren kann – auch in der Schönheit der Musik und den Emotionen, die sie im Zuhörer auslöst.