Schulgeschichte

Von unnachahmlicher Würde: Hausmeister Peter Baierlein 1913 bis 1940

Hausmeister Baierlein mit Gemahlin, um 1930

Der Hausmeister, auf Fränkisch „Huusmasder“: Jeder, der schon einmal mit einer Schule zu tun hatte oder gar schon einmal ein Schulgebäude betreten hat – und das dürften recht viele Erdenkinder sein -, kennt die zentrale Bedeutung dieses Mannes. (Frauen sind in diesem Metier offenbar noch recht selten vertreten.)

Denn es war, ist und bleibt nun einmal der Hausmeister, der den Betrieb am Laufen hält, die Schüler reglementiert, die Lehrkörper diszipliniert und den Schulleiter bzw. die Schulleiterin instruiert und den Pfad der Tugend weist. Ruhm und Ehre den Hausmeistern! Stille wirken und weben sie, frei nach Schiller, und drücken den Schulen ihren Stempel auf – so oder so ähnlich sollte es zumindest sein.

Die Schule hat schon viele bedeutende Hausmeister-Persönlichkeiten gesehen, aber wohl keine füllte ihr Amt auf so bedeutsame Weise aus wie der weithin bekannte Hausmeister Peter Baierlein, der seinem Dienst von 1913 bis 1940 oblag. Stets mit Weste und dunklem Gehrock überaus korrekt gekleidet, den umgeklappten Vatermörder-Kragen mit der Krawatte geschmückt: So schritt er mit unnachahmlicher Grandezza über die Korridore, klapperte mit dem Schlüsselbund und spähte durch seine Nickelbrille in die Zimmer. Ein langer weißer Spitzbart, der würdevoll über den ebenfalls spitzen Bauch herabwallte, unterstrich das distinktive Auftreten. Und so konnte es passieren und so passierte es auch mehrfach, dass eine schulfremde Person oder ein Elternteil beim Anblick des respektgebietenden Herrn erstarrte, in ihm eine leitende Lehrerpersönlichkeit vermutete, ehrfürchtig grüßte und ihm umgehend Vertraulichkeiten dienstlicher oder elterlicher Natur offenbarte – bis dann endlich Schulleiter Pauli Wind von der Sache bekam, aus seinem Dienstzimmer herausstürzte und das Missverständnis aufklären konnte.

In bleibender Erinnerung blieb er aber der Schüler- wie der Lehrerschaft als der Verantwortliche für die ingeniöse Klingelanlage. In jedem Stockwerk war eine Glocke an einem von oben nach unten durch das ganze Haus verlaufenden Stahlseil befestigt. Beim Stundenwechsel oder beim Pausenbeginn rüttelte der Hausmeister an dem Seil, und das daraufhin ausbrechende Geläut ließ das Gebäude erbeben. Das Ende der Pause wurde jedoch auf dem Pausenhof mit einer konventionellen Handglocke angestimmt. Und dieser Pausenhof vor der Aula war überaus schön: Er war umfriedet von einer Umfassungsmauer, die oben mit einem kleinen Holzzaun geschmückt war, und im Hof blühten ein Flieder, ein Tulpenbaum sowie weitere Bäume und Sträucher. Erst Ende der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde dieser Pausenhof durch eine unsinnige straßenbauliche Entscheidung verkleinert und planiert. Kein Wunder, dass die Schülerinnen (und Lehrer) von Hausmeister Baierlein durch energische Klingeltöne in die Klassenzimmer zurückgetrieben werden mussten!

Der alte Pausenhof im Jahr 1956

Weitere Erinnerungen an den Hausmeister Baierlein sind eher kulinarischer Natur, denn er war der Begründer des Pausenverkaufs. Seine Ehegattin hatte stets rechtzeitig zu Beginn der großen Pausen einen großen Blechtopf aufgestellt, aus dem nun lieblich duftende Würstchen geangelt wurden. Bei den damaligen Preisen müssen den heutigen Nachgeborenen die Tränen in die Augen kommen: Ein einzelnes Würstchen im „Laabla“ kostete (mit Senf!) 15 Pfennige, das Paar ging zu 25 Pfennige über den Tisch. Zudem gab es auch Gebäck, wie die begehrten „Amerikaner“ (Preis: 5 Pfennige) und die verlockenden Hörnchen (10 Pfennige). Allerdings sollte man sich keine falschen Vorstellungen machen: Nur wohlhabende Schülerinnen konnten sich in den zwanziger und dreißiger Jahren ein vollständiges Paar Würstchen leisten. Zudem entwickelte sich um die Wienerle ein wahrer Freundschaftskult, wie die Erinnerungen der Schülerinnen später bezeugten: Es galt ein Zeichen der Wertschätzung, wenn die Freundin, die sich an diesem Tag keine Wurst leisten konnte oder wollte, einmal kräftig zubeißen durfte – !

Dies alles und noch viel mehr geschah unter der wohlwollenden Regentschaft von Hausmeister Baierlein. Auch ihm gebührt ein prominenter Platz in der Geschichte der Anstalt!