Schulleben

Phantasievolle Pflanzenkunstwerke

Die Werke fanden aufmerksame Betrachter.

Mit einer sehenswerten Ausstellung präsentieren sich unsere Schüler im Bayreuther Kunstmuseum an der Stadtkirche: Sie ist mit dem Motto „Una Quarta Natura“ betitelt und versammelt Buntstiftzeichnungen und Skulpturen.

Der etwas eigenwillige Titel erklärt sich durch die Ausstellung des Künstlers Miron Schmückle, die im Sommer letzten Jahres im Kunstmuseum zu sehen waren. Schmückles Bilder zeigen ein buntes, auf den ersten Blick verwirrendes Geflecht aus floralen Motiven. Er entnimmt sie der vom Menschen unbeeinflussten „ersten Natur“ und der „zweiten Natur“ der Gärten und Blumenarrangements, um daraus seine „dritte Natur“, die der Kunst, zu formen. Unsere Schüler ließen dem „Una Quarta Natura“ folgen, also eine vierte, die sich auch der Kunst als Zitat bedient, um etwas Eigenständiges zu schaffen.

Anne Gerdes und Christian Just eröffneten die Ausstellung.

In ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung stellte Kunsterzieherin Anne Gerdes die verschiedenen Arbeitsfelder vor, die den Schülern im Kunstunterricht vorgelegt worden waren und würdigte deren Umsetzung.

Pflanzen seien etwas wild Wachsendes, die, richtig vor einem Hintergrund gezeichnet, etwas Irritierendes darstellen könnten. Pflanzen seien auch dem Verfall unterworfen, sodass während der Arbeit auch Assoziationen mit dem Tod und der Verwesung hergestellt wurden. Schädel und Knochen, Gehörn von toten Tieren, auch ein echter Menschenschädel wurden als Anschauungsobjekt verwendet. Mit diesen Motiven hätten die Schüler über die Bilder Schmückles hinausgegriffen, der die Natur eher perfekt und kurz vor dem Verfall dargestellt habe.

Ein anderer Schritt über das bloße Kunstzitat sei es gewesen, die phantasievollen Pflanzengebilde auch in dreidimensionaler Form als Skulpturen darzustellen. So seien 12 Modelle von noch zu züchtenden Pflanzen entstanden.

Auch Skulpturen mit Fantasiepflanzen entstanden während des Projektes.

Weil es in der Schule auch um das Lernen geht, wurden die Schüler zu ihren Kunstwerken auch angeleitet. Dazu gehört zum einen die Beschriftung der dargestellten Pflanzen, zum anderen auch die handwerkliche Unterweisung. Anne Gerdes Eröffnungsrede gab einen aufschlussreichen Einblick in das Arbeiten im Kunstunterricht: Den Schülern sei gezeigt worden, dass man sich bei der Arbeit mit den Buntstiften stets schichtend vorarbeiten müsse, bis der richtige Farbton aus zwei oder mehreren Farben gemischt sei und der eine Farbton satt glänze, damit der Farbton den Betrachter der „Schülerübung“ überzeugen könne. Auch Ordnung kann der Komposition eines Kunstwerkes gut tun. Die Schüler wurden deshalb ermutigt, bei ihren Bildern eine Spiegelachse anzulegen als Strukturhilfe, von der man im Detail auch wieder abweichen konnte.

Es entstand eine sehenswerte Galerie von penibel ausgeführten Bildern.

Auch der Frage, warum es sich im Zeitalter der Digitalkamera überhaupt noch lohne, zum Zeichenstift zu greifen, beantwortete Anne Gerdes: Zeichnen erfordere ein genaues Hinschauen und das eigene Tun müsse überdacht werden. Stimmt die Form? Stimmt die Perspektive? Die Räumlichkeit? Die Oberfläche? Und Kunst erlaube auch das eigene Erfinden und Fantasieren. Im Idealfall übertrage sich dieser Prozess auf dem Betrachter im Museum: Wenn er vor dem Bild stehend das Dargestellte weiterdenkt, ist er selbst Gestalter.

Besonders bedankte sich Anne Gerdes bei der Leiterin des Kunstmuseums, Dr. Marina von Assel, dass sie ihre Räumlichkeiten den Schülerinnen und Schülern des RWG zur Verfügung gestellt habe. Dank gebühre auch Helmut Mehling für die Organisation der musikalischen Umrahmung.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Kunstmuseums noch bis zum 28. Februar geöffnet.