Schulgeschichte

Chronik 1933 bis 1945

1933

Die Zahl der „von der Regierung angeordneten vaterländischen Schulfeiern“ nimmt zu, wie von nun an die Jahresberichte vermerken, die Schule beteiligt sich „an den allgemeinen nationalen Festen“.

Schülerinnen am 1. Mai 1934, dem „Tag der nationalen Arbeit“, der zum „Nationalfeiertag des Deutschen Volkes“ bestimmt wurde

1937

Zu Beginn und am Schluss des Schuljahres müssen nun feierliche „Flaggenehrungen“ veranstaltet werden.

Flaggenehrung im Schuljahr 1942 mit ungebetenem Gast. Im Hintergrund rechts der bereits ausgeführte Anbau

1938

Oberstudiendirekor Pauli muss wegen seines Herzleidens den Ruhestand antreten. Der junge Studienrat Heinrich Knörl, der schon während der Erkrankung von Pauli die Schule kommissarisch geleitet hat, wird vom Beauftragten für die Stadt Bayreuth, Gauleiter Fritz Wächtler, am 1. April 1938 zum Studiendirektor ernannt und in Anwesenheit des Gauleiters am 31. Mai 1938 feierlich in sein Amt eingeführt.

Nur noch zwei bzw. drei Schülerinnen sind im Schuljahr 1937/1938 und 1938/1939 nicht Mitglieder des BDM. Vom Turnunterricht werden jetzt im Gegensatz zu früher nur ganz wenige Mädchen befreit.

Die vom Ministerium angeordnete Aufstellung einer „Schulgemeinde“ wird durchgeführt, der Kreisleiter der NSDAP genehmigt ihre Zusammensetzung. Mitglieder sind der Schulleiter, der „Walterstab“ (darunter der Vertrauensmann des Nationalsozialistischen Lehrerbundes, drei Vertreter der Schülereltern, die Beauftrage der NS-Frauenschaft und die Lehrer der Schule) sowie die Eltern und Erziehungsberechtigen der Schülerinnen.

Zum ersten Mal besuchen die 5. und 6. Klassen für eine oder zwei Wochen das Schullandheim Hohenberg an der Eger.

Im Zuge der NS-Reformen der höheren Schulen wird die Schuldauer auf acht Jahre verkürzt. Die Schule wird vorerst in eine sechsklassige Mädchenoberschule umgewandelt.

In einer Lehrplanreform wird die Zahl der Turnstunden auf fünf erhöht, das Fach tritt an die erste Stelle der Fächer. Religionsunterricht tritt mit ein bis zwei Stunden an die letzte Stelle und darf von 1941 an nicht mehr benotet werden.

1939

Bereits in den Sommerferien wird das Schulhaus für militärische Zwecke beschlagnahmt, der Unterricht nach den Ferien beginnt erst am 18. Oktober 1939.

Das Schulgeld wird am 1. September, dem Tag des Kriegsausbruchs, von 160 Reichsmark auf 200 Reichsmark erhöht. Es gibt Geschwisterermäßigung, aber keine Ausbildungsbeihilfen mehr.

Zwei Studienräte werden zum Kriegsdienst eingezogen, der Schulleiter wird zum Reichswetterdienst abgeordnet. Im Laufe des Krieges werden weitere Lehrer in die Wehrmacht einberufen. Schulleiter Knörl wird schließlich dem Oberbügermeister der Stadt als „unabkömmlich“ unterstellt. Der Unterrichtsbetrieb wird durch die Einstellung von nebenamtlichen Lehrkräften halbwegs aufrechterhalten.

Ab dem Schuljahr 1939/40 erscheint kein gedruckter Jahresbericht mehr.

Lehrerkollegium 1941/42 mit zahlreichen Lehrerinnen. Die jüngeren tauglichen Lehrer sind zum Kriegsdienst eingezogen

1940

Die Aula (Turnhalle) wird im Schuljahr 1940/1941 von Truppen und von Kriegsgefangenen belegt.

Die Lehrer der Schule werden im Sommer befragt, ob sie sich für einen künftigen Kolonialschuldienst interessieren. Die Lehrer lehnen ab.

1942

Am 6. Juli 1942 wird das 75jährige Bestehen der Schule im Balkonsaal der Stadthalle gefeiert. Oberbürgermeister Dr. Kempfler spricht, Schulleiter Knörl hält die Festrede zum Thema „75 Jahre höhere Mädchenbildung in Bayreuth“.

Die Schule ist zur gymnasialen Vollanstalt ausgebaut, die Einrichtung der Oberstufe ist abgeschlossen, an der Schule legt der erste Jahrgang die Reifeprüfung (das Abitur) ab. Schulleiter Knörl fordert daher die räumliche Vergrößerung der Schule, für einen Erweiterungsbau werden Pläne erstellt. Kriegsbedingt kann jedoch erst ein kleiner Anbau mit zwei Klassenzimmer am schon bestehenden heutigen Altbau errichtet werden. Dieser Anbau kann erst 1952 aufgestockt und vollendet werden. Der Anbau wird 1942 von französischen Kriegsgefangenen ausgeführt. Dazu wird ein Sichtschutz-Zaun aufgestellt, den Schülerinnen wird die Fraternisierung mit den ausländischen Gefangenen strengstens untersagt.

Die Schülerinnen der 9. bis 12. Klassen werden nun zu Diensten verpflichtet, von 1942 bis 1944 vor allem zum Einbringen der Hopfenernte in der Hallertau. Lehrerinnnen müssen sie begleiten und Aufsicht führen.

Einsatz bei der Hopfenernte 1942

1943

Die Niederlage von Stalingrad ist der Wendepunkt des Krieges. Das Schulklima verdüstert sich, es dürfen keinerlei Tanz- oder Freizeitvergnügungen mehr besucht werden.

Die Oberklasse hat nur noch bis Weihnachten regulären Unterricht und wird dann immer stärker für „praktische Dienste“ eingesetzt.

1944

Die Oberklasse hat im Schuljahr 1944/1945 bald gar keinen regulären Unterricht mehr, die Schülerinnen werden als Schwesternhelferinnen und für den Bahnhofsdienst ausgebildet. Die Abiturientinnen erhalten schließlich ein „Notabitur“, d. h. ein Abgangszeugnis, das ihnen das Abitur zuerkennt.

Schulleiter Knörl wird im September erneut eingezogen, kann aber weiterhin Weisungen an der Schule erteilen und gerät dann im April 1945 in Gefangenschaft. Seine Internierung endet erst 1948, und erst 1959 unterrichtet er wieder an der Schule.

1945

Die Schule wird in den letzten Monaten vor Kriegsende als Lazarett verwendet. Unterricht findet meist nur noch unregelmäßig für die höheren Klassen statt. Die tauglichen Schülerinnen arbeiten als Schwesternhelferinnen oder beim Bahnhofsdienst. Im Schulhaus kann nur noch der Physiksaal für den Unterricht genutzt werden, Räume in einer Kantine und in einer Gastwirtschaften werden angemietet.

Im April 1945 wird Bayreuth mehrfach bombardiert, das Schulhaus bleibt aber unbeschädigt. Der Krieg endet in Bayreuth am 16.4.1945 mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen. Im Schulgebäude kommt es zu Plünderungen und Zerstörungen.